neue Entdeckungen über Jesus von Nazaret

 

6 neue, erstaunliche Entdeckungen über Jesus von Nazaret

Der Eingang des Marienzentrums in Nazaret wirkt schlicht: ein einfacher Zugang von der Casa-Nova-Straße, nur wenige Meter von der Verkündigungsbasilika entfernt. Doch dieser Ort ist etwas ganz Besonderes. Im Jahr 2009 gruben dort Archäologen ein Wohnhaus aus – ein bescheidenes und kleines Gebäude aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., die Zeit, zu der Jesus lebte. Das Gebäude besteht aus zwei kleinen Räumen, mit einer Regenwasserzisterne im Innenhof. Die Forscher fanden auch Scherben von Tongefäßen und Reste von Kalkgefäßen; ein klarer Hinweis auf jüdisches Leben in dem Dorf. Solche Gefäße wurden damals von Juden verwendet, da sie als garantiert rituell rein galten (Leiterin der Ausgrabungen, Yardenna Alexandre, Quelle.) Die Ausgrabungen gelten damit als erster konkreter Beweis, dass Nazaret als Jesus lebte, tatsächlich besiedelt war.

Der Fund entwertet damit auch eines der oft vorgebrachten Argumente, dass es Jesus von Nazaret gar nicht gegeben haben könne, weil es kein Dorf namens Nazaret zu dieser Zeit gegeben habe.

Diese Entdeckung ist nur eine von vielen, die Forscher weltweit zu einem Umdenken zwingen. Und trotzdem sind die Forschungsergebnisse nicht weithin bekannt.

In den Medien wird Jesus oft als ein Prophet der Apokalypse dargestellt, der glaubte, dass die Erde zu seinen Lebzeiten ein jähes Ende nehmen würde; oder er gilt als Zelot, der für den Sturz der römischen Herrscher „kämpfte”.

Die neuen archäologischen Entdeckungen und Entwicklungen zeigen, dass diese Theorien jedoch überholt sind.

Entdeckung 1: Die Menschen und Orte in den Evangelien existierten wirklich

Die Orte aus der Bibel an denen Jesus predigte, existierten wirklich.

Wie für die meisten Personen der Frühgeschichte, gibt es auch nur wenig archäologische Nachweise für die Personen des Neuen Testaments. Jesus ist da keine Ausnahme.

In den vergangenen Jahren haben Archäologen jedoch ein paar überraschende Funde gemacht. Ein Beispiel dafür ist das Ossarium (eine Steinkiste für die Aufbewahrung von Totengebeinen) einer Verwandten von Kaiphas. In der Zeitschrift „Israel heute” von 2011 heißt es:

„Forscher der Bar-Ilan-Universität und der Universität Tel Aviv haben den Fund eines 2000 Jahre alten Ossariums … bekannt gegeben. Sie stammt somit aus der Zweiten Tempelperiode und darin sollen die Gebeine der Tochter eines Hohepriesters gelagert worden sein. An dem Ossarium durchgeführte Tests ergaben, dass es sich um ein Original handele… Auf dem Ossarium steht in aramäischer Sprache ‚Miriam Tochter Jeshuas, Sohn des Kaiphas, Priester der Ma´aziah-Kaste aus Beth Imri. Der Hohepriester Josef Bar Kaiphas ist für sein Mitwirken beim Gericht über Jesus und der darauffolgenden Kreuzigung bekannt. [Die Mitglieder der] Ma´aziah-Kaste … waren die letzten, die im Tempel den Opferdienst praktizierten, bevor dieser von den Römern mit der Tempelzerstörung abgeschafft wurde.”

Ein weiterer interessanter Fund aus dem Jahre 2009 ist auch die Synagoge Magdala am See Genezareth, die in den Jahren 29 v. Chr. bis 68 n. Chr. genutzt wurde und in der, zeitlich gesehen, Jesus gepredigt haben könnte.

Entdeckung 2: Ein Messias, der leiden und sterben würde, war keine Erfindung der Nachfolger von Jesus.

Länger als ein Jahrhundert lang behaupteten Bibel-Forscher, dass die Juden zu Jesu Zeit die Vorstellung eines leidenden oder sterbenden Messias nicht kannten.

Man vermutete lange, dass die Idee von den frühen Christen stammte, die die Worte Jesus Jahrzehnte später in den Mund legten. Die Juden zur Zeit Jesu erwarteten einen militärischen Führer und König als Messias, so die Behauptung. Ein leidender Messias ist daher Teil der Apologetik und soll den Skandal des Kreuzes erklären.

Im Jahre 2000 entdeckten israelische Archäologen jedoch eine Steintafel in klassischem Hebräisch aus dem ersten Jahrhundert. Diese Steintafel erwähnt den Engel Gabriel und eine messianische Figur, die leiden und womöglich nach drei Tagen auferstehen wird (siehe Gabriels Offenbarung).

Diese Textfunde lassen vermuten, dass viele Juden im ersten Jahrhundert auf einen leidenden und sterbenden Messias warteten.

Dies ist von Bedeutung, da sich dadurch zeigen lässt, dass das Motiv „leidender Messias” nicht einfach von den frühen Christen erfunden wurde.

Die jüdische Vorstellung eines leidenden Messias steht nicht im Widerspruch zu dem, was Jesus erlitt.

Entdeckung 3: Die Göttlichkeit Jesus wurde von seinen ersten (jüdischen) Nachfolgern sehr früh (etwa 1 – 2 Jahre nach der Kreuzigung) anerkannt.

Anhand verschiedener Methoden, darunter das Identifizieren aramäischer Phrasen, die im griechischen Text des Neuen Testaments eingebettet sind, identifizierten Gelehrte.

Zu ihrer Überraschung ergaben diese Untersuchungen, dass die jüdischen Nachfolger Jesu diejenigen waren, die ihn als „Sohn Gottes” und „zur rechten Hand Gottes stehend” beschrieben; es waren nicht die heidnischen Nachfolger, die sich Jahrzehnte nach der Kreuzigung der Bewegung anschlossen.

Lange glaubte man, dass die Behauptung der Göttlichkeit erst dann aufkam, als die Bewegung zu den heidnischen Griechen gelangte.

By British Library [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieses Foto, das von der Britischen Nationalbibliothek am 17. April 2012 veröffentlicht wurde, zeigt eine Seite des Evangelium des St. Cuthbert (Johannesevangelium).Jüdische Wissenschaftler behaupten inzwischen, dass die Vorstellung eines göttlich-menschlichen Erlösers ein durch und durch jüdisches Konzept war, und auf die Propheten der Bibel zurückzuführen. Dabei verweisen sie auf das Buch Daniel und auf jüdische Werke aus der Zeit zwischen Altem und Neuem Testament, die als Apokalypse bekannt sind, aus denen hervorgeht, dass manche Juden zur Zeit Jesu jemanden „wie ein[en] Menschensohn” (vgl. Daniel 7:13,14) erwarteten, der auf Wolken aus dem Himmel kommen würde.

Diese Vorstellungen wurden erst später, als Reaktion des Judentums auf das Aufkommen des Christentums, unter Juden verboten.

Entdeckung 4: Mit großer Wahrscheinlichkeit basieren die Evangelien auf Augenzeugenberichten und zumindest teilweise auf schriftlichen Quellen.

Die Vorstellung der Tradition einer ausschließlich mündlichen Überlieferung über Jesus, im Gegensatz zur Überlieferung mit Hilfe schriftlicher Quellen, die auf Augenzeugenberichten beruhen, stellen inzwischen viele Wissenschaftler in Frage.

Die skeptischen Neutestamentler des frühen 20. Jahrhunderts gründeten ihre Theorie der mündlichen Überlieferung vor allem auf die Weise der Überlieferung deutscher Volkssagen, die sich über die Jahrhunderte hinweg weiterentwickeln (vgl. Gebrüder Grimm). Dahinter steckt die Idee, dass sich die Geschichte durch das Erzählen erweiterte und veränderte.

Dies impliziert, dass die Evangelien eher Mythos als Geschichte wiedergeben und kein verlässlicher Bericht dessen seien, was sich tatsächlich ereignete.

Aber die Anzahl der Neutestamentler, die diese unbelegte Theorie ablehnen, steigt stetig. Ein Argument, das in der Diskussion  dabei vorgebracht wird, ist, dass die Evangelien, darunter das Johannesevangelium, zahlreiche Hinweise darauf enthielten, dass es sich um Augenzeugenberichte oder Bezug auf schriftliche Quellen handelt – und diese Quellen können sehr wohl zu der Zeit, als Jesus in Galiläa lebte und predigte, verfasst worden sein.

Der britische Neutestamentler und Autor des Buches „Jesus and the Eyewitnesses” von 2006, Richard Bauckham, löste eine neue Debatte zum Thema „Augenzeugen in den Evangelien” aus (ein Kommentar zu seinem Buch auf Deutsch lässt sich bspw. hier finden).

Des Weiteren sind viele jüdische Gelehrte inzwischen der Meinung, dass die Evangelien akurat Informationen aus erster Hand – von Menschen, die Jesus sahen und hörten – wiedergeben.

So sagt der israelische Wissenschaftler David Flusser, der davon ausgeht, dass die Evangelien auf schriftlichen Quellen basieren, beispielsweise, dass die synoptischen Evangelien (=Matthäus-, Markus-, Lukasevangelium) „ein Bild von Jesus aufrechterhalten, das zuverlässiger ist als allgemein anerkannt wird”.

Entdeckung 5: Das Markusevangelium stammt evtl aus der Zeit 5-10 Jahre nach der Kreuzigung und nicht von 40 Jahre danach.

Viele – wenn auch nicht alle – der heutigen Wissenschaftler gehen davon aus, dass Markus das erste Evangelium ist und aus Rom aus den Jahren 60-70 n. Chr. stammt. Darauf folgte das Lukasevangelium Mitte 80 n. Chr., Matthäus in den 80er Jahren und Johannes irgendwann nach 90 n. Chr.

Der Grund dafür sind Passagen in den Evangelien, in denen Jesus den Fall Jerusalems vorauszusagen scheint (bspw. Markus 13:2, wo sich Jesus auf den Tempel bezieht und sagt: „Siehst du diese großen Bauten? Kein Stein wird auf dem andern bleiben, alles wird niedergerissen.”).

Der dahinterstehende Gedanke ist, dass die Autoren der Evangelien, die nach dem jüdischen Krieg, der 66 n. Chr. begann, lebten, Jesus Worte in den Mund legten, die die zukünftige Katastrophe ankündigten – Worte, die er so nicht gesagt hatte. In der Wissenschaft wird das als Vaticinium ex eventu (=Weissagung vom Ereignis her) bezeichnet.

Der säkulare britische Neutestamentler James Crossley von der Universität Sheffield stellt diese Annahme jedoch in Frage.

In seinem faszinierenden Buch „The Date of Mark’s Gospel” von 2004 stellt Crossley die Forschungsergebnisse von Neutestamentlern von über einem Jahrhundert in Frage. Er geht davon aus, dass das Markusevangelium keineswegs, wie bisher angenommen, Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre n. Chr. entstand, sondern bereits Mitte der 30er Jahre; eine Zeit nur etwa 5- 10 Jahre nach der Kreuzigung Jesu.

Er besteht darauf, dass mit dem „unheilvollen Gräuel” (vgl. Markus 13:4), der an einem Ort stehen würde, an dem er „nicht stehen darf”, die Statue des Kaisers Caligula gemeint war. Caligula war ein größenwahnsinniger Herrscher, der im Jahre 39-40 n. Chr. seine Statue im Tempel von Jerusalem aufstellen lassen wollte.

Sollte er mit seiner Annahme richtig liegen und das Markusevangelium aus den 30er Jahren stammen, bedeutet dies, dass die frühesten Quellen für die Evangelien bereits 5 bis 10 Jahre nach Jesu Kreuzigung schriftlich festgehalten wurden – und nicht 30, 40 oder 60 Jahre später, wie bisher angenommen.

Dies untermauert das Argument, dass die Evangelien wahrscheinlich auf Augenzeugenberichten basieren, die die verschiedenen Evangelisten aufgrund editorischer Entscheidungen neu anordneten.

Entdeckung 6: Jesus war kein „ungebildeter Bauer” sondern höchstwahrscheinlich in jüdischem Recht und jüdischer heiliger Schrift gut ausgebildet.

Gläubige hören die Worte Jesu.

In den vergangenen Jahrzehnten beschäftigten sich jüdische Wissenschaftler eingehender mit den Debatten in den Evangelien zwischen Jesus und den Pharisäern.

Für den größten Teil des 20. Jahrhunderts behaupteten Neutestamentler, dass diese Debatten nicht zeitgeschichtlich seien. Die Debatten der frühen Kirche spiegelten demnach die Konflikte mit den jüdischen Obrigkeiten in den 80er und 90er Jahren wider; es war nicht das, was Jesus in den 20er Jahren gesagt hatte.

Viele jüdische Experten sind inzwischen anderer Meinung. Des Weiteren behaupten einige jüdische Forscher sogar, dass die Evangelien beweisen, dass Jesus juristische Argumentationsweisen beherrschte.

Der orthodoxe Rabbi Schmuley Boteach sagt, dass Jesus auf die Kritik seiner Heilung eines Kranken am Sabbat (vgl. Johannes 5:1-47) einen rechtlichen Präzedenzfall aus dem Talmud zitiert, um seine Handlungsweise zu rechtfertigen.

Boteach erklärt, dass es in der Torah heißt, dass ein männliches Kind am achten Tag nach der Geburt beschnitten werden soll. Sollte dieser achte Tag aber auf einen Sabbat fallen, ist die Beschneidung erlaubt, auch wenn dabei eine blutende Wunde entsteht.

Im Talmud heißt es, dass medizinische Prozeduren am Sabbat durchgeführt werden können und müssen. Im Traktat Joma heißt es: „Wenn eine Beschneidung, die nur eines der 248 Glieder des Körpers betrifft, vor dem Sabbat Vorrang hat, hat dann nicht der ganze Körper Vorrang?”

Boteach verweist dann auf die nahezu identische Rechtfertigung Jesu, einen Kranken geheilt zu haben. Johannes hielt fest: „Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfangen darf, damit das Gesetz des Mose nicht missachtet wird, warum zürnt ihr mir, weil ich am Sabbat einen Menschen als Ganzen gesund gemacht habe?” (Johannes 7:23).

Dies deutet darauf hin, dass Jesus kein „ungebildeter Bauer” war, wie viele heutige Autoren behaupten, sondern ein gut ausgebildeter Rabbi; er kannte sich in komplexen rechtlichen und religiösen Debatten seiner Zeit aus.

Schlussfolgerung

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es in der neutestamentlichen Forschung in den vergangenen 10 bis 20 Jahren eine wahre Revolution gegeben hat; Experten in den Medien scheinen davon jedoch nur wenig mitbekommen zu haben.

Skeptische Haltungen des vergangenen Jahrhunderts dem Neuen Testament gegenüber, stehen unter unermüdlichem Angriff von säkularen, jüdischen und agnostischen Wissenschaftlern von überallher auf der Welt.

Die genannten Entdeckungen, sind für einige Experten Grund genug sich zu fragen, ob das grundlegende Bild von Jesus in den Evangelien, nicht plausibler ist als die aufwendigen Rekonstruktionen der kademischen Skeptiker der vergangenen 150.

Das Neue Testament scheint wahrer zu sein, als Wissenschaftler einst angenommen haben. Die Darstellung von Jesus von Nazaret ist in den Evangelien nicht übertrieben sondern untertrieben dargestellt. Vielleicht ist er viel interessanter als bisher angenommen.

Quelle: https://kommzuchristus.de