Volker Aßmann

Kirche am Bahnhof, Frankenberg, 14.05.23

UNAUFHALTSAM – Anbetung in schwierigen Zeiten

 Apostelgeschichte 16,19-40

 

 

  1. Gottes bunte weltweite Gemeinde

 

Paulus und Silas sind nach der Trennung von Paulus und Barnabas auf der zweiten Missionsreise (15,39-41). Durch die klare und deutliche Führung des Heiligen Geistes und durch eine Vision (Traum) von Paulus kommen sie schließlich nach Europa, nach Philippi. Hier entsteht in der nächsten Zeit die erste Gemeinde in Europa – eine neue Epoche der weltweiten Gemeinde beginnt – unaufhaltsam!

Man sagt, dass sich auf den Mauern der Stadt Philippi eine Inschrift befand mit dem Verbot, irgendeine unbekannte Religion in die Stadt zu bringen. Deshalb trafen sich die Menschen, offenbar jüdischen Glaubens, am Fluss außerhalb der Stadt zum Gebet. Es waren Frauen, von Männern lesen wir nichts. In Philippi gab es scheinbar keine Synagoge, für die es mindestens 10 jüdische Männer gebraucht hätte.

Unaufhaltsam – Eine besondere Reihe von Bekehrungen geschehen in Philippi: Lydiadie Wahrsagerin und der Gefängnisdirektor.

Lydia war eine reiche Purpur-Stoff-Händlerin, von der wir als erstes lesen, dass sie gottesfürchtig war. (16,14) Sie war wohl keine Jüdin, hielt sich aber zu den jüdischen Versammlungen. Gottesfürchtig meint nicht, Angst vor Gott zu haben, sondern Respekt und die Bereitschaft, sich von IHM etwas sagen zu lassen. Lydia war eine Gottsucherin, offenbar mit einer tiefen Sehnsucht nach Gott im Herzen.

Lukas schreibt in Kapitel 17 davon, dass sich eine Reihe von vornehmen Frauen der Gemeinde anschlossen, also Menschen aus der gehobenen sozialen Schicht. (17,4) Während sie Paulus und Silas zuhörte, öffnete der HERR Lydia das Herz für die Botschaft, die Paulus verkündete, und so ließ sie sich zusammen mit allen, die zu ihrem Haus gehörten, taufen. (16,14-15) Ein wichtiges Kennzeichen von Lydia war also: sie hört die gute Nachricht von Jesus und öffnet ihr Herz und Leben dafür und beginnt, Jesus Christus zu vertrauen und mit IHM zu leben.

Die Wahrsagerin war eine Sklavin. Sie war von einem bösen Geist besessen, und konnte offenbar die Zukunft vorhersagen. Zumindest erweckte sie diesen Eindruck und zog dadurch viele Menschen in ihren Bann. Dabei muss Wahrsagerei gar nichts mit der Wahrheit in der Zukunft zu tun haben, aber wer der Wahrsagerei glaubt, der gerät in eine Abhängigkeit, die nicht gut ist. Statt Vertrauen auf Wahrsagerei, die in der Bibel komplett abgelehnt wird, wünscht sich Gott ein Vertrauen auf IHN und Seine Zusagen.

Ihre Wahrsagerei war eine bedeutsame Einnahmequelle für ihre Herren (16,16). Sie selbst spielte als Mensch keine Rolle, nur ihr Geld. Sie war eine ausgenutzte unfreie Frau. In ihrer lauten Aussage Tag für Tag über die Apostel sagt sie jedoch die Wahrheit:

„Diese Männer sind Diener des höchsten Gottes und sind gekommen, um euch zu sagen, wie ihr gerettet werden könnt!“ (16,17)

Was für eine starke Botschaft und tolle Geschichte, dass jetzt sogar der Teufel die Wahrheit über die Apostel und die Botschaft über Christus sagte, oder? Nach einigen Tagen aber kam der ganze Unmut darüber bei Paulus heraus und er drehte sich um zu dem Dämon in ihr und sagte: „Ich befehle dir im Namen von Jesus Christus, aus ihr auszufahren.“ Und augenblicklich verließ der Geist sie. (16,18)  Gott hat es nicht nötig, von bösen Geistern verkündigt zu werden und Paulus und Silas wollten den Eindruck nicht aufkommen lassen, dass das Evangelium irgendetwas mit den dämonischen Geistern gemeinsam und zu tun hat.

Nicht die Aussage legitimiert die Quelle!!

Es ist nicht unbedingt gut, wenn wichtige und wahre Dinge von „bösen Menschen“ oder sogar durch dunkle, teuflische Kanäle verbreitet werden. Das hat Gott nicht nötig und auch wir sollten uns davon distanzieren. Gott hat nichts gemeinsam mit Halbwahrheiten und Fake News, die ja ganze Lügen sind. Das machen Paulus und Silas deutlich und klar. Und es geht Gott ganz stark auch um die Befreiung und Rettung dieser armen, ausgenutzten und gequälten Frau.

Die Folge ist: Paulus und Silas werden verhaftet und landen im Gefängnis in Philippi. (16,22-23) Wieder eine Hochsicherheitszelle für die Christen (wie bei Petrus in Jerusalem) (16,23+24) Was aber machen Paulus und Silas – in der dunkelsten Nacht (Mitternacht)?

  • Sie beten und loben Gott mit Liedern und das für alle hörbar. (16,25)
  • Die anderen Gefangenen hören das alles.

Anstatt sich lautstark über die erfahrene Ungerechtigkeit und Gewalt zu empören, sich darüber aufzuregen und die Menschen zu beschimpfen beten sie und loben Gott lautstark. Statt die anderen zu verfluchen, beten sie (wahrscheinlich sogar für diese Menschen). Das hatten die Gefängnismauern und Häftlinge in Philippi noch nicht erlebt und gehört. Infolge dessen passiert ein starkes Erdbeben und das Gefängnis wird bis zu den Grundfesten erschüttert.

Vor Gott kann nichts und niemand auch scheinbar Mächtiges standhalten!!

Alle Gefängnistüren springen auf, alle Fesseln fallen ab. Als der Gefängnis-Direktor (Kerkermeister) merkt, was da passiert, will er sich umbringen, weil er denkt, dass alle Gefangenen geflohen seien, (16,27)  denn die Mächtigen Roms hätten ihn dafür persönlich verantwortlich gemacht und hingerichtet. Paulus aber ruft ihm zu: „Tu dir nichts an! Wir sind alle hier!“ Daraufhin führt er Paulus und Silas persönlich in die Freiheit und scheinbar in sein eigenes Haus. Er fragt:

„Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ (16,30)

Die Antwort, welche Paulus gibt ist klar und eindeutig: „Glaube an Jesus, den HERRN, dann wirst du gerettet…“ (16,31) Als Reaktion darauf  bekehren sich der Gefängnis-Vorsteher und seine ganze Familie, glauben an Jesus und werden getauft. (16,33) Paulus und Silas ermutigen noch einmal die junge und wohl noch kleine Gemeinde in Philippi und verlassen bald darauf die Stadt. (16,40)

Hier geschah eine Offenbarung des souveränen und gnädigen Gottes!

Menschen ganz unterschiedlicher Prägung und sozialer Stellung glaubten an denselben HERRN Jesus und wurden so gemeinsam Teil der Gemeinde! Ihnen gemeinsam war, dass sie auf Gottes Reden hörten und IHM ihr Vertrauen schenkten, und dass sie das mit großer Konsequenz in ihrem Leben umsetzten.

Ein Schlüssel dafür war, dass Gottes Leute (hier Paulus und Silas) ihrem Gott vertrauten und mit IHM lebten, auch in herausfordernden und schwierigen Zeiten. Das war ein Ausdruck ihrer Anbetung, weil sie durch ihr Vertrauen Gott ehrten.

Entscheidend für ihre Anbetung war sicher nicht der gut hörbare Lobpreis in der Zelle, aber es war ein starker Ausdruck ihres Vertrauens und ihrer Anbetung.

 

  1. Die Gemeinde Jesu – das ist Anbetung Gottes in dieser Welt.

Was für ein Wunder und Zeugnis für Gottes Souveränität und Barmherzigkeit ist die Gemeinde von Anfang bis jetzt und bis Jesus wiederkommt!! Es ist Wunder und Zeugnis, dass Menschen, die so unterschiedlich ist in ihrer Herkunft und Prägung, ihrem Geschlecht und Alter und sozialen Stellung sind, miteinander als Gemeinde leben und Gott anbeten.

„O Vater, HERR des Himmels und der Erde, ich danke Dir, dass Du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich selbst für so klug und weise halten. Ich danke Dir, dass Du sie stattdessen denen enthüllst, die ein kindliches Gemüt haben. Ja, Vater, so wolltest Du es! Mein Vater hat mir Vollmacht über alles gegeben. Niemand außer dem Vater kennt den Sohn wirklich, und niemand kennt den Vater außer dem Sohn und jenen, denen der Sohn den Vater offenbaren will.“ So betete Jesus (Matthäus 11,25-27)

Lebendiger Teil der Gemeinde der an Jesus Glaubenden sein, ist vielleicht eine der größten Arten, Gott anzubeten und IHM Recht zu geben. ER beruft nicht die, die meinen, es verdient zu haben und klug, mächtig oder weise sind, sondern die wie Kinder IHM vertrauen!

Lydia, eine Frau und Asiatin, die Wahrsagerin, eine Frau, Sklavin, und Ausländerin, der Gefängnisvorsteher, ein Römer. Alle sind „eins in Christus“!!

Paulus schreibt später: (Epheser 2,13-14): „Nun aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst ferne wart, nahe gebracht worden durch das Blut Christi.“ !!!

 

  1. Was ist Anbetung?

Wikipedia: Anbetung (lateinisch adoratio) bedeutet die betende Verehrung eines Gottes.

„Eines der wichtigsten Elemente im Leben eines Christen ist Anbetung. Anbetung ist das Loben und Preisen Gottes im Hinblick auf die unfassbare Größe Seiner Person…“

Epheser 1,12: damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben!!

  • GOTT DIE IHM ZUSTEHENDE EHRE GEBEN!!!
  • Vor Gott niederfallen und IHM die Ehre erweisen!
Danken: für das, was Gott jemand tut
Loben: für das, was/wie er ist
Anbeten: weil Du bist, wie du bist, egal was ich davon habe,  einfach dafür dass ER ist, dass er Gott ist!

 

  1. Anbetung in schwierigen Zeiten

Anbetung ist viel mehr als es mit Worten, Gebeten und Liedern auszudrücken. Anbetung bedeutet, Gott die Ehre zu geben und IHM zu gehorchen und zu vertrauen, gerade, wenn es eng ist in unserem Leben.

Gottes Aufforderung, seinen eigenen Sohn für Gott zu opfern, beschreibt Abraham als Anbetung. Anbetung hat also nichts mit positiver Stimmung und fröhlicher Atmosphäre zu tun.

1.Mose 22,5: (Abraham und Isaak)

„Da sprach Abraham zu seinen Knechten: >Bleibt ihr hier mit dem Esel, ich aber und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen.<“

Anbetung bedeutet Gott gehorsam sein, koste es, was es wolle, und unabhängig von der Lebenssituation Gott zu ehren!

Wichtig: es geht nicht zuerst und immer um unsere Lieder und Gebete, persönlich wie als Gemeinde, sondern es geht um unser Vertrauen und unsere Liebe zu Gott, egal wie es uns geht und ob wir uns gerade beschenkt fühlen oder am Boden sind!

Für mich das stärkste Beispiel und Herausforderung, es ihm nachzutun ist Hiob: Nach all dem was er durchgemacht hatte sagt er:

„Der HERR hat mir alles gegeben und der HERR hat es mir wieder weggenommen. Gelobt sei der Name des HERRN. Trotz allem, was geschehen war, versündigte Hiob sich nicht gegen Gott und sagte nichts Ungehöriges.“

 

Hiob erkennt unabhängig von den Umständen Gott als den HERRN an. Er liebt Gott um Gottes willen und nicht um dessen willen, was Gott ihm schenkt!

Hiob sagt weiter:

„Nun weiß ich, dass Du alles kannst, kein Vorhaben ist für Dich undurchführbar.
Wer ist es, der Gottes weisen Plan ohne Verstand verdunkelt?
Ja, ich habe in Unkenntnis über Dinge geurteilt, die zu wunderbar für mich sind, ohne mir darüber im Klaren zu sein.
…Bisher kannte ich Dich nur vom Hörensagen, doch jetzt habe ich Dich mit eigenen Augen gesehen.“
(Hiob 42,2+3+5)

 

Ich bete darum, dass ich so glauben kann und dass Du so glauben kannst und nicht im Gegenwind unser Vertrauen zu Jesus und unseren Glauben an den Nagel hänge.

Nach dem letzten Lied lade ich Dich ein, Gebet und den Segen Gottes persönlich zu suchen und in Anspruch zu nehmen.

Doch was, wenn durch Regen erst der Segen, wenn durch Tränen Heilung kommt?
Was, wenn erst 1000 wache Nächte mir dann zeigen: Du bist da?

 

Lied:

Wir beten für Segen, für Frieden hier, Trost für Familien und Schutz in jeder Nacht.
Wir wollen Heilung, Gutes nur von Dir und dass Deine starke Hand das Leben leichter macht.
Die ganze Zeit hörst Du uns wirklich zu, denn Du liebst uns so sehr und gibst uns um so mehr.

 

Doch was, wenn durch Regen erst der Segen, wenn durch Tränen Heilung kommt?
Was, wenn erst 1000 wache Nächte mir dann zeigen: Du bist da?
Wenn im Leid in Wirklichkeit viel mehr Deine Gnade wohnt.

 

Wir beten für Weisheit, um Dich zu hören. Doch wir sind enttäuscht, wenn wir Dich dann nicht nahe spüren.
Wir zweifeln Deine Güte, Deine Liebe an.
Dein Wort hat es versprochen, doch wir denken kaum daran.
Allezeit hörst Du, HERR, unser Flehen und sehnst Dich danach, dass wir Dir ganz vertrauen.

Wenn Freunde gehen, wenn Dunkelheit gewinnt, wird klar: Der Schmerz erinnert mich, hier bin ich nicht daheim!

Doch was, wenn durch Regen erst der Segen, wenn durch Tränen Heilung kommt?
Was, wenn erst 1000 wache Nächte mir dann zeigen: Du bist da?
Wenn im Leid in Wirklichkeit viel mehr Deine Gnade wohnt?

 
 
Bibelverweise mit freundlicher Genehmigung: ERF Bibelserver