Wie ist Gott wirklich –
Wer mich sieht der sieht den Vater
Kristin Schmidtmann
Ev. Gemeinschaft Frankenberg, 13.09.2026
Das Video zur Predigt finden Sie hier
Ihr habt euch bestimmt schon gefragt, was die Deko immer soll. Heute kommen sie zum Einsatz, so richtig. Guten Morgen, schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr mit unterwegs seid auf unserer Reise, auf unserem Weg zu schauen. Was habe ich für ein Bild von Gott, wie geht es mir damit? Was hängt da alles so zusammen? Ich möchte heute gerne so einen kleinen Bogen durch die ganze Bibel ziehen, ganz am Anfang, und zwar, wie sich Gott in der Bibel zeigt und sich offenbart. Und da ist mir was aufgefallen. Die Geschichte, die in der Bibel beschrieben wird, oder die Bibel, kann man auch als eine Geschichte verstehen, wie wir Gott erkennen. Das zieht sich vom ersten bis zum letzten Wort durch.
Ganz, ganz am Anfang in der Schöpfung erlebten die Menschen mit Gott in einem ungestörten Verhältnis, in einer ungestörten Gemeinschaft. Sie haben ihn ganz unmittelbar erlebt und total unverfälscht. Es gab noch keine Bücher, es gab keine Podcasts, keine Predigten, keine Menschen, die einem irgendwas von ihm erzählen haben, sondern sie haben ihn als erstes unmittelbar erlebt. Ich glaube, dass sie ihn trotzdem nicht komplett gefasst haben, begriffen haben, aber es war damals anders. Man könnte sagen, sie haben Gott gesehen wie in so einem klaren Spiegel. Wenn ich mich davor stelle, zeigt er mir jede Falte, jedes graue Haar, alles, was ich so sehen möchte oder vielleicht auch nicht. Dann gab es einen Bruch in der Beziehung. Die Gemeinschaft wurde zerstört oder gestört. Die Menschen haben sich vor Gott versteckt. Und ihre Wahrnehmung, ihr Blick auf Gott hat sich dadurch auch verändert. Gott hat sich weiterhin gezeigt, aber ihre Erkenntnis, ihr Wissen über ihn, ihr Blick über ihn war nicht so klar wie vorher. Wie in so einem Spiegel, der trüb ist. Und dann begann ein neuer Abschnitt, als das Volk Israel begann, als Gott seinen Weg mit Israel begann. Dort zeigte er sich Schritt für Schritt immer weiter. Er zeigte seinen Namen, seine Heiligkeit, seine Gerechtigkeit, seine Barmherzigkeit und seine Treue. Israel, die Menschen, erlebten ihn als Retter, Herrscher und treuen Begleiter. Und dennoch blieb Gott für sie meist vor allem der Gott ihres Volkes.
Sie haben ihn nicht mit Vater, mit Abba angesprochen. Sie haben sich so nicht gesehen, sondern wenn, haben sie von Gott als es ist der Vater unseres Volkes verstanden. Aber nicht in ihrem persönlichen Gebet zum Beispiel. Das hat sich erst mit Jesus geändert. In ihm kommt Gott selber zu den Menschen und zeigt Gott uns als Vater. Und dann als der Heilige Geist zu den Menschen kam, geschieht noch etwas Neues:
Gott zieht in den Menschen selber ein. Der Geist öffnet die Augen für Christus und schenkt uns eine tiefere Erkenntnis für Gott. Und trotzdem bleibt unser Verstehen begrenzt.
Hier sieht man ja auch, dass es nicht sehr deutlich alles ist zu sehen. Paulus schreibt das im 1. Korinther 13,12:
Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel. Dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen.
Heute erkennen wir Gott wirklich, aber noch nicht vollständig. Erst wenn Christus wiederkommt und sein Reich vollendet, werden wir Gott, so heißt es in der Offenbarung, von Angesicht zu Angesicht sehen. Dann wird aus diesem Zerbruch, aus dem bruchstückhaften etwas vollkommenes werden.
Heute ist das Thema: Gott als Vater und da schauen wir uns die Evangelien an und jetzt am Anfang erst mal Matthäus, Markus und Lukas. Hier bringt Jesus uns Gott nicht nur durch eine Lehre näher, sondern vor allem durch Bilder, Geschichten und Gleichnisse. Ein paar Beispiele:
Denken wir an die Geschichte vom verlorenen Sohn. Der Vater läuft seinem verloren geglaubten Kind entgegen, vergibt ihm, empfängt ihn mit offenen Armen und stellt ihn wieder her.
Jesus zeigt dir Gott als einen Vater, der Menschen sucht, der auf sie wartet und der sich über ihre Rückkehr freut. In dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, da sehen wir jemanden, der am Boden liegt, der verletzt ist, der Hilfe braucht und Menschen gehen an ihm vorbei. Da gibt es einen, der anhält und ihm Hilfe gibt.
Und Jesus sagt, genauso ist Gott der Vater, er hilft, er handelt. Seine Liebe lässt ihn handeln.
Und zum Beispiel noch im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Da bekommen Menschen den gleichen Lohn, aber für unterschiedliche Arbeit, unterschiedlich viele Arbeit, die sie getan haben. Gott handelt nicht unbedingt nach Leistung, sondern vor allem nach Gnade. Und sein Verständnis von Gerechtigkeit und Großzügigkeit, sagt Jesus, entspricht
nicht immer dem, was ihr denkt.
Viele, viele andere Gleichnisse, Geschichten zeichnen dasselbe Bild. Jesus gibt uns den Vater zu kennen als einen Gott, der kein ferner Herrscher ist, sondern ein liebevoller,
barmherziger, fürsorglicher Vater, der Menschen sucht, der Menschen aufrichtet und zur Gemeinschaft mit ihm einlädt. Aber was hier auffällt, in diesen drei Evangelien spricht Jesus mehr über den Vater und von ihm. Im Johannes-Evangelium verändert sich das ein Stück weit. Da geht es, Jesus, mehr um die Beziehung zwischen ihm und dem Vater. Und eine Frage zieht sich durch das Johannes-Evangelium durch:
Wie können wir Gott erkennen? Wie können wir herausfinden, wer er ist und wie er ist?
Das schwingt an ganz vielen Stellen mit. Und heute möchte ich, dass wir uns eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium, aus dem Kapitel 14 anschauen. Da spricht Jesus zu seinen Jüngern. Die Situation, in der wir uns da befinden, ist folgende. Es ist eine Stimmung, es ist eine Situation, die total angespannt ist, außergewöhnlich ist. Wenige Tage zuvor hat Jesus Lazarus von den Toten auferweckt. Und er war unter großem Jubel nach Jerusalem eingezogen und sie feierten ihn als den Messias. Erwartung lag in der Luft. Gottes Reich sollte sichtbar anbrechen. Und die Jünger haben, glaube ich, auch sehr große Hoffnungen gehabt, dass sich jetzt was ändern wird. Doch statt von Sieg und Macht zu sprechen, spricht Jesus immer häufiger von Tod, von Hingabe und von Leid. Im Tempel mit seinen Jüngern, da handelt Jesus mit einer sehr großen göttlichen Autorität. Und das führt dazu, dass die Spannungen zwischen den religiösen Führern vom Volk Israel und ihm immer mehr zunehmen. Er lehrt weiterhin öffentlich, er führt Streitgespräche und er bereitet seine Jünger immer weiter
darauf vor, was kommen wird. Auf eine Art Krise, könnte man sagen.
Und nun sitzt Jesus mit seinen Jüngern zusammen in einem Raum und feiert das letzte Mal miteinander. Er hat sich verabschiedet aus der Öffentlichkeit, er redet nur noch zu seinen engsten Freunden. Er hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, er hat gesagt, dass ihm niemand verraten wird, Judas ist schon rausgegangen, um das zu tun. Und Jesus weiß, dass nur noch wenige Stunden bleiben. Und jetzt spricht er mit seinen Freunden nochmal ganz persönlich und nochmal ganz intensiv.
Diese Stimmung, die da ist, die ist von Unsicherheit geprägt. Denn Jesus hat zu ihnen gesagt, dort wo ich jetzt hingehe, da könnt ihr nicht mit hingehen. Und der erste Vers im Kapitel 14 heißt:
„Euer Herz erschrecke nicht.“
Und das zeigt ja schon, wie es in ihren Herzen wahrscheinlich ausgesehen hat. Sie waren total unsicher, sie hatten Angst. Sie konnten nicht verstehen, was jetzt passieren wird, was das alles bedeutet. Und da sagt Jesus zu seinen Freunden folgendes (Johannes 14,4-7):
„Ihr wisst ja, wohin ich gehe und wie ihr dorthin kommen könnt. Nein, Herr, das wissen wir nicht, sagt Thomas. Wir haben keine Ahnung, wo du hingehst. Wie können wir denn da den Weg kennen? Jesus sagt zu ihm, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, dann habt ihr
auch erkannt, wer mein Vater ist. Doch von nun an kennt ihr ihn und habt ihn“
Philippus ist einer der Jünger. Und er wird jetzt gleich zu Jesus etwas sagen. Und wir wollen mal reinhören, was in Philippus so vor sich gegangen sein könnte. Jesus spricht immer vom Vater, vom Vater im Himmel, vom Vater, der ihn gesandt hat, vom Vater, dessen Willen er tut. Und ich höre zu, seit Jahren. Ich habe gesehen, wie Blinde sehen konnten. Ich habe gesehen, wie Menschen gesund wurden. Ich habe erlebt, wie Tausende satt wurden. Und doch, manchmal frage ich mich, wer ist dieser Vater eigentlich? Wie sieht Gott wirklich aus? Ist er so, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe? Streng, fern, unnahbar oder ganz anders? Und jetzt redet er davon, dass er weggehen wird. Ich verstehe nicht alles. Ehrlich gesagt, ich verstehe vieles nicht. Die Zukunft macht mir Angst. Was, wenn wir uns irren? Was, wenn wir etwas übersehen haben? Was, wenn wir am Ende doch nicht wissen, wer Gott ist? Und da bricht es in mir heraus. Herr, zeige uns den Vater. Und es genügt uns. (V. 8)
Einmal nur. Ein klarer Blick, ein eindeutiger Beweis. Dann wären alle Fragen beantwortet. Dann hätte ich Gewissheit. Dann müsste ich nicht mehr suchen. Doch Jesus sieht mich an.
Fast erstaunt. Vielleicht auch ein wenig traurig. Solange bin ich bei euch, Philippus. Und du hast mich noch nicht erkannt. (Johannes 14,9) Was meint er damit? Ich wollte doch Gott sehen. Und dann sagt er, Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Auf einmal beginnt etwas in mir zu dämmern. Gott ist nicht irgendwo hinter Jesus verborgen. Gott
ist nicht erst noch zu finden. Wenn ich Jesus anschaue, wie er Menschen begegnet, wie er vergibt, wie er liebt, wie er sich den Schwachen zuwendet, dann sehe ich, wie Gott ist. Die ganze Zeit habe ich auf ein neues Zeichen gewartet. Dabei stand die Antwort schon vor mir.
Es ist doch eine bemerkenswerte Bitte, die Philippus hier hat, oder? Es ist eine Frage, ein Gedanke, ein Wunsch, eine Sehnsucht, die ich glaube, sehr, sehr viele Menschen kennen. Zeig
uns Gott, zeig uns den Vater. Lass ihn uns begegnen. Ich möchte Gott begegnen. So richtig, dass die Fragen beantwortet sind. Dass meine Unsicherheit weg ist. Dass ich klarer sehen kann. Was hier auch deutlich wird, welches Bild Philippus und auch die anderen Jünger von Jesus haben, dass sie noch nicht erkannt haben, wirklich wer er ist und dass der Vater, das Gott, in ihm sichtbar wird. Und was macht Jesus? Er antwortet nicht mit irgendeiner Theorie oder mit einer Predigt, sondern er zeigt auf sich selbst.
Philippus, weißt du denn nach all der Zeit, die ich bei euch war, noch immer nicht, wer ich bin? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Warum verlangst du noch ihn zu sehen? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich euch sage, stammen ja nicht von mir, sondern der Vater, der in mir lebt, hat sie mir gesagt. Glaubt doch, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Oder glaubt auf wenigstens aufgrund von dem, was ich getan habe.
Also mit anderen Worten, wenn du wissen willst, wie und wer Gott ist, dann schau auf mich. Vorher hat ja Jesus gesagt, ich bin der Weg. Also ich bin der Weg, auf dem du den Vater erkennen kannst. Ich bin die Wahrheit, die zeigt, wie Gott wirklich ist. Drei Jahre lang bist du mit mir unterwegs gewesen. Du hast gesehen, wie ich Menschen liebe, wie ich vergebe, wie ich heile, wie ich diene, wie ich bete. Und genau so ist der Vater.
Warum ist es denn Jesus so wichtig, uns den Vater zu zeigen, also uns Gott als Vater zu zeigen, den Jüngern als Vater zu zeigen? Geht es darum, dass wir einfach mehr
wissen, dass hier oben mehr Erkenntnis nur stattfindet? Nein. Jesus offenbart den Vater, weil er uns in die Gemeinschaft, in die Beziehung mit Gott als Vater hineinführen möchte. Das Ziel seines Kommens ist nicht nur Erkenntnis, sondern Beziehung. Wer mich sieht, versteht Gott besser , das sagt Jesus nicht sondern: niemand kommt zum Vater außer durch mich. Der Vater ist das Ziel. Und Jesus möchte, dass die Menschen erkennen, Gott ist nicht nur Schöpfer, nicht nur Herrscher, nicht nur Richter. Er will unser Vater sein. Wie die ersten Menschen, die in dieser vertrauten Beziehung gelebt haben. In Jesus kommt Gott selbst zu uns, um uns nach Hause zu holen. Und deshalb spricht er so häufig von Gott als Vater. Über 100 Mal finden wir diese Anrede von Jesus. Und er möchte, dass seine Jünger verstehen: ihr seid nicht dazu berufen, Untertan Gottes zu sein. Ihr seid eingeladen, seine Kinder zu werden. Und genau deshalb ist diese Frage von dieser Predigtreihe, wie ist Gott wirklich, wer ist Gott wirklich, so wichtig.
Ich weiß nicht, ob ihr euch das fragt. Ich habe mich das auf jeden Fall gefragt, warum die Jünger das noch nicht verstanden hatten. Drei Jahre lang waren sie mit Jesus zusammen. Ich wünschte mir das manchmal. Ich wäre gerne manchmal ein Jünger damals und könnte ihn anfassen, erleben, riechen, hören, sehen, alles mit ihm teilen. Und dann denke ich, okay, ich
verstehe, warum ich das nicht verstehe.
Heute, er ist ja nicht da, wie ihr da seid. Aber selbst die Jünger, die mit ihm unterwegs waren, haben ihn nicht so erkannt, noch nicht. Aber wie lange leben wir schon mit Jesus? Wie lange
haben wir schon, leben wir im Glauben an ihn und erkennen auch ihn oft nicht in Situationen unseres Lebens? Wie oft habt ihr euch schon die Frage gestellt oder auch dieses Gefühl gehabt, diesen Gedanken gehabt, ich verstehe dich einfach nicht. Wo bist du eigentlich? Was tust du? Oder warum tust du nichts? Worin schauen wir, wenn diese Gedanken in uns hervorkommen, wenn sie auftreten? Schauen wir dann auf Jesus, um Gott mehr zu verstehen, ihn besser kennenzulernen.
Oft merke ich, dass dann Unverständnis bei mir hochkommt. Oder auch eine Art Anklage. Vielleicht kennt das der eine oder andere von euch auch. Und vielleicht ist es so, dass wir uns
manchmal, oder vielleicht auch öfters, manchmal so fühlen wie Philippus und die Jünger in der Situation. Denn in einer unsicheren und so angespannten Situation zeigt sich eben unser Bild, was wir von Gott, was wir von Jesus, was wir von unserem Vater haben. Solange alles gut läuft, entspannt läuft, können wir vieles über Gott sagen und auch glauben. Interessant wird es meistens, wenn eine Krise oder Schwierigkeiten kommen, wenn unser Leben erschüttert wird, wenn ein Gebet unbeantwortet bleibt, wenn eine Tür zugeht, auf die wir schon lange gehofft haben, wenn Krankheit, Enttäuschung oder Versagen in unser Leben kommen.
Dann treten manchmal so Gedanken auf wie, Gott hört mich nicht, Gott meint es nicht gut mit mir, Gott ist enttäuscht von mir, Gott hat mich vielleicht vergessen. Andere werden gesegnet, aber ich gehe leer aus. Diese Gedanken sind nicht falsch, nicht, dass ihr das missversteht. Man darf das denken. Aber wir dürfen uns dann hier die Frage stellen, die Jesus auf sein Jünger gestellt hat. Hast du mich wirklich erkannt? Hast du verstanden, wer der Vater ist? Denn:
wenn wir wissen wollen, wie Gott als Vater ist, dürfen wir auf Jesus schauen.
Nicht zuerst auf unsere Umstände, nicht zuerst auf unsere Gefühle und nicht zuerst auf unsere Erfahrungen. Denn Erfahrungen können widersprüchlich sein. Gefühle können sich ziemlich verändern, ganz schnell. Und andere Menschen können uns falsche oder auch unterschiedliche Bilder von Gott zeigen. Aber Jesus offenbart das Herz des Vaters. Und dabei zeigt er seine Liebe, seine Barmherzigkeit, aber auch seine Wahrheit und seine Heiligkeit. Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir einen Gott, der Menschen nicht auf Abstand hält, sondern ihnen nahe kommt. Weil es Jesus gemacht hat. Jesus hat Aussätzige berührt.
Jesus spricht mit Menschen, die nie mit jemand anders zu tun haben können oder gemieden wurden. Jesus hatte Geduld mit Zweiflern. Jesus weinte mit den Trauern, denn Jesus vergibt den Schuldigen. Und er richtet Menschen auf. Er macht sie nicht klein, sondern er richtet immer auf. Und das zeigt uns, wie Gott ist. Und das verändert etwas in unserem Leben.
Es gibt sozusagen eine Art Jesusbrille, die wir anziehen können. Durch die wir unser Leben sehen, wahrnehmen, Dinge einordnen. Zum Beispiel muss ich mir dann nicht mehr seine Liebe
verdienen von Gott. Manche von uns tragen bewusst oder unbewusst einen inneren Druck mit sich herum. Ich muss mehr leisten. Ich muss besser werden. Ich muss mehr beten. Ich muss mehr Bibel lesen. Ich muss stärker glauben. Ich muss geistlicher sein oder, oder, oder. Doch wenn wir dann auf Jesus schauen, mit dieser Jesusbrille schauen, sehen wir etwas anderes. Dann sehen wir einen Jesus, der Fische, Zöllner, Zweifler beruft, Menschen mit einer gebrochenen Biografie. Und nicht, weil sie alles richtig machen, beruft er sie, sondern weil er sie liebt. Und dann ändert sich die Reihenfolge. Nicht mehr, wenn ich mich genug anstrenge, wird Gott mich annehmen, sondern weil Gott mich annimmt, darf ich mich verändern lassen.
Das ist ein großer Unterschied. Die Jesusbrille verändert auch den Blick auf mich selbst
Manche Menschen definieren ihr Leben oft über ihre Fehler, über ihr Versagen, über ihre Vergangenheit, über Dinge, die andere Menschen über sie gesagt haben, über Dinge, die sie sich selber vielleicht auch nicht vergeben können. Und auch hier begegnet Jesus den Menschen anders. Er nimmt Schuld ernst, ja, aber er reduziert Menschen nicht darauf. Er sieht mehr als den Fehler. Er sieht den ganzen Menschen und auch das, was dahinter steckt. Und Jesus möchte uns zeigen, dass uns das auch nicht bestimmen muss, dass das nicht unseren Wert ausmacht, nicht unsere Schuld, nicht unsere Vergangenheit oder was andere Menschen über uns gesagt haben.
Unser Wert, das, was wir sind ist: ich bin Gottes geliebtes Kind.
Jesus spricht ja davon, dass er die Wahrheit ist und dass er uns frei machen möchte von genau diesen Dingen, die Lügen in unserem Leben sind. Dinge, die in der Vergangenheit waren und die uns bis heute bestimmen und beeinflussen und das aber eigentlich nicht so sein sollte oder es nicht sein muss. Und wenn der Blick auf uns heil werden darf, dann passiert noch etwas. Dann wird der Blick oder die Jesusbrille verändert meinen Blick auf andere Menschen. Vielleicht frage ich dann nicht mehr, was stimmt mit diesen Menschen nicht, sondern was sieht Jesus in diesen Menschen? Vielleicht kann ich dann überlegen, was steckt dahinter, was sieht Jesus in ihnen? Das verändert Beziehungen, das verändert Ehen, Familien, Freundschaften und auch Gemeinden. Nicht, weil plötzlich alles einfacher wird, sondern weil Gnade stärker ist wie die Verurteilung.
Die Jesusbrille verändert auch unseren Blick auf Leid. Eine der schwersten Fragen. Stefan hat vor zwei Wochen davon gesprochen. Wo ist Gott, wenn ich leide? Auch Jesus gibt darauf nicht jede Erklärung oder Antworten, aber er schenkt etwas anderes. Er zeigt uns einen Gott, der nicht fern bleibt. Denn Jesus kennt Trauer, er kennt den Schmerz, er kennt die Einsamkeit, er kennt die Ablegung, er kennt die Ungerechtigkeit, er kennt das Leid. Und wenn wir leiden, begegnen wir keinem Gott, der nur zuschaut, sondern einem Gott, der weiß, wie es uns geht. Einem Gott, der in der Dunkelheit gegenwärtig ist, der an uns festhält, der uns Kraft gibt. Und vielleicht verändert die Jesusbrille auch den Blick auf unsere Zukunft.
Manche Menschen leben aus seinem sehr starken Kontrollbedürfnis heraus. Man braucht viel Sicherheit, man will viele Antworten haben, man möchte gerne wissen, was in der nächsten
Kurve im Leben schon auf einen wartet. Und Jesus lädt hier zu einem Vertrauen ein, das bedeutet nicht, auf alle Fragen Antworten zu bekommen, sondern auf einen Vertrauen zu dem,
der mit uns geht. Dass ich nicht alles verstehen muss, weil ich weiß, dass er an meiner Seite ist. Weil ich weiß, wer mich führt und leitet in meinem Leben. Am Schluss möchte ich euch eine Frage mitgeben, wo ich hoffe, dass sie in eurem Alltag vielleicht auch eine Rolle spielen darf.
Passt mein Gottesbild wirklich zu Jesus? Nicht passt es zu meinen Erfahrungen, nicht passt es zu meinen Enttäuschungen und nicht passt es zu dem, was andere mir erzählt haben, sondern passt es zu Jesus. Denn er ist das vollkommenste Bild des Vaters. Wer wissen will, wie Gott denkt, liebt, vergibt, Menschen begegnet, schaut auf Jesus.
Aber das ist oft nicht so einfach, mitten im Trubel, im Alltag. Denn diese Bilder, die wir in uns tragen, von Gott, von uns, von den Menschen, wie wir mit Situationen umgehen, sie sitzen oft sehr tief, sind geprägt von Erfahrungen, Verletzungen, Ängsten, von den verschiedensten Prägungen. Und selbst die Jünger, die Jesus vor Augen hatten, verstanden ihn oft nicht.
Und deswegen lässt Jesus uns nicht allein mit dieser Aufgabe. Ein paar Verse später zu dieser Situation, da verheißt Jesus den Heiligen Geist. Ich werde den Vater bitten und er wird euch
einen anderen Ratgeber geben, der euch nie verlassen wird. Es ist der Geist der Wahrheit. Der Vater wird in Jesus sichtbar und der Heilige Geist hilft, Jesus zu erkennen. Wie in diesem trüben Spiegel, das aber manche Stellen trotzdem immer klarer werden dürfen.
Der Heilige Geist erinnert uns an die Worte Jesu. Er richtet unseren Blick immer wieder auf ihn. Er weist auf die Taten, auf das Handeln, auf das Leben von Jesus hin. Das hat Jesus ja selbst auch zu Philippus gesagt: Schau darauf was ich gesagt habe, schau darauf was ich getan habe.
Wenn wir meinen, Gott hat genug von mir dann zeigt der Heilige Geist uns Jesus wie er mit Petrus umgegangen ist als der ihn verleugnet hat und wie Jesus Petrus wieder aufgerichtet hatte. Wenn wir glauben, Gott interessiert sich nicht für mich, dann zeigt der Heilgie Geist uns Jesus, der sich immer dem Einzelnen zuwendet. Wenn wir vielleicht denken: mit meiner Geschichte, mit meinem Leben kann Gott nichts anfangen, dann zeigt uns der Heilgie Geist in uns Jesus, der Menschen eine neue Zukunft gibt.
Der Heilige Geist macht etwas lebendig in uns und darum lautet heute, gestern und auch morgen die Einladung: Komm und lasse dir vom Heiligen Geist zeigen wer Jesus ist, denn je klarer wir Jesus erkennen, desto deutlicher sehen wir den Vater und ja klarer wir den Vater erkennen, desto freier können wir leben, desto hoffnungsvoller können wir glauben und desto vertrauensvoller können wir unseren Weg gehen als seine geliebten Kinder. Und wenn das wahr ist und wenn das in unserem Kopf und Herz ist, dann wird es praktisch, dann geht es nach außen, denn wer den Vater kennt, der sucht seine Nähe. Wer den Vater kennt, der spricht mit ihm und genau dazu hat Jesus auch seine Jünger eingeladen. Deshalb hat er den Jüngern gezeigt, wie sie beten können, und wie beginnt dieses Gebet? Nicht mit: Allmächtiger Gott, nicht mit: Herrscher des Himmels, nicht mit Richter der Welt, sondern mit den Worten: „Unser Vater im Himmel!“ Genau dahin wollte Jesus seine Jünger führen, uns führen, dass wir nicht nur an Gott glauben, sondern in der Beziehung zum Vater leben, dass wir wissen; Ich darf zu ihm kommen, ich bin ihm nicht fremd, sondern erkannt und ich bin eingeladen. Und dazu möchte ich euch einladen, dass ihr euch darauf einlasst, dass ihr die Jesus-Brille im Alltag anzieht, dass ihr versteht, dass es bruchstückhaft ist aber dass der Heilige Geist in euch lebt und euch dabei hilft und ich möchte euch jetzt auch dazu einladen mit mir zusammen zu beten. Ich will erst ein Gebet zu dem Thema sprechen und dann mit euch zusammen das „Vater unser“. Ihr könnt gerne dazu aufstehen.
„Vater im Himmel, ich möchte dir danken. Wir danken dir dafür, dass Du nicht verborgen geblieben bist. Wir danken dir für Jesus. Danke, dass wir in ihm sehen dürfen, wie du wirklich bist. Danke für deine Liebe, für deine Geduld, für deine Barmherzigkeit und deine Treue. Du siehst die Bilder, die wir in uns tragen und manchmal sehen wir durch unsere Enttäuschungen, manchmal durch Ängst, durch Schuld oder Verletzungen die wir erlebt haben und manchmal fällt es uns schwer, dir zu vertrauen. Darum bitten wir dich Heiliger Geist: Öffne unsere Augen neu für Jesus. Hilf uns auf ihn zu schauen wenn wir zweifeln. Hilf uns auf ihn zu schauen wenn wir schuldig sind. Hilf uns auf ihn zu schauen wenn wir leiden oder den Weg nicht verstehen. Bitte zeig uns immer wieder das Herz des Vaters und lass uns erkenn, dass wir deine geliebten Kinder sind. Schenke uns deine Wahrheit wo wir sie brauchen über dich, über uns, über die Anderen und lehre uns, so mit anderen Menschen umzugehen wie du auch uns begegenest. Danke, dass wir immer zu dir kommen dürfen. Danke, dass du unser Vater bist und wir dich Vater nennen dürfen. Deshalb beten wir gemeinsam so wie du es uns gelehrt hast: Vater unser im Himmel…“
Siehe auch: Wer ist Jesus?
Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, können Sie mich hier kontaktieren.
Alle Bibeltexte mit freundlicher Genemigung: ERF Bibelserver.com