Herr Drössler bitte, Sie können kommen. Herr Drössler? Herr Drössler, bitte eintreten.“
Ich saß diese Woche auch bei meiner Hausärztin im Wartezimmer und ich finde es immer so eine spannende Beobachtung, wenn wir Menschen im Wartezimmer sitzen. Ich finde das schlimmste Gefühl ist es, da zu sitzen und nicht hereingerufen zu werden. Und dann kommen die Leute vor einem dran und man hat das Gefühl, ja was ist denn mit mir eigentlich? Also ich bin doch schon eben zuerst vorne zur Arzthelferin gegangen und sitze jetzt schon locker seit einer Viertelstunde hier im Wartezimmer. Und irgendwann müsste doch auch mal ich dran sein. Aber vielleicht habt ihr euch gedacht, was ist das denn für ein Idiot? Der wird ja schon längst gerufen. wird aufgerufen und bleibt trotzdem im Wartezimmer sitzen, versunken in seiner Zeitung, frustriert darüber, dass er nicht aufgerufen wird, guckt ständig auf die Uhr, aber hat eigentlich schon längst einen Platz im Arztzimmer.
Vielleicht saß ich ja im Arztzimmer bei dem Ohrenarzt, das würde auf jeden Fall einiges erklären. Ich muss sagen, nach ein paar Jahren Kinder- und Jugendarbeit sind die Ohren auf jeden Fall schon ordentlich zugeschmalzt. Ich weiß nicht, wie die Eltern das hier machen, Respekt an euch.
Aber jetzt mal Spaß beiseite. Ich glaube, diese Situation, die begegnet uns nicht nur im Wartezimmer hier beim Arzt, sondern die begegnet uns auch in unserem Glaubensleben. Ich will einfach mal einen Begriff in den Raum werfen. Berufung. Versucht mal kurz den ersten Gedanken festzuhalten, der euch in den Kopf kommt wenn ihr das Wort Berufung hört. Jetzt mal kurz eine Handabfrage. Wer hat an Mose gedacht? An den Dornbusch? Eine Hand auf jeden Fall. Wer hat an Kinder- und Jugendarbeit gedacht? Schade, ich kann vielleicht ein paar neue Mitarbeiter suchen, aber so funktioniert das ja nicht. Mein erster Gedanke wäre, ehrlich gesagt, der Dornbusch gewesen. Und es gäbe wahrscheinlich auch noch tausende andere Beispiele aus der Bibel, die man als guter Christ dann aufzählen könnte. Ja, vielleicht David oder irgendwelche Propheten. Aber ich glaube, das hat auch einen bestimmten Grund. Weil das ist gar kein Zufall, denn gerade im christlichen Kontext ist ja Berufung so behaftet mit sehr großen und, ich weiß, mein Vater mag das Wort nicht, aber sehr krassen Bildern. Ja, groß und bunt und die sind genauso groß, wie sie furchterregend und erschreckend sind. Radikale Kehrtwenden, lebensverändernde Begegnungen. Und vielleicht geht es dir dann wie mir, du siehst diese Berufungsgeschichten an und dein eigenes Leben und merkst dann, so ist es bei mir gar nicht. Und dann setzen wir uns, wie ich gesagt habe, in das Wartezimmer des Glaubens und dann fragen wir uns die ganze Zeit, ja, wann bin ich denn jetzt eigentlich dran? Wann ruft mich denn der Herr Doktor auf? Wie lange muss ich denn jetzt hier noch warten? Und je länger wir in dem Wartezimmer sitzen, desto frustrierter werden wir. Das Problem ist, im Leben gibt es kein Handy, mit dem man sich im Wartezimmer ablenken kann. Man sitzt oft da, vielleicht Monate, vielleicht Jahre und hat das Gefühl, ich mag jetzt auch irgendwas tun. Alle sprechen hier in der Gemeinde von Jüngerschaft und von Nachfolge und von Gaben entdecken und von der Waffenrüstung. Aber ich habe das Gefühl, das alles, das geht bei mir gar nicht. Der Doktor will mich gar nicht sehen. Der Gott will mich gar nicht sehen. Und das Spannende ist aber, wir werden uns heute einen Text ansehen, in dem es auch um Rufen geht. Und der ist gar nicht so spektakulär. Und Berufung beginnt dort nicht mit etwas Großem, nicht mit einem großen Akt, nicht mit einem brennenden Dornenbusch, sondern mit einem Satz:
Komm und sieh.
Wir wollen uns kurz diesen Text jetzt dran angucken. Er steht in Johannes 1, 35-39:
Am nächsten Tag stand Johannes wieder dort und zwei seiner Schüler waren bei ihm. Als er Jesus vorbeigehen sah, sagte er: »Schaut genau hin! Dieser ist das Opferlamm Gottes!« Die zwei Schüler von Johannes, die das hörten, gingen zu Jesus und schlossen sich ihm an. Jesus drehte sich um und sah, wie sie ihm folgten. Da sagte er zu ihnen: »Was sucht ihr?« Sie antworteten: »Rabbi – das bedeutet übersetzt: ›Lehrer‹ –, wo wohnst du?« Er sagte: »Kommt doch mit und seht selbst!« Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben den ganzen Tag bei ihm. Es war etwa vier Uhr nachmittags.
Das wird jetzt auf den ersten Blick unspektakulär: Jesus geht auf einer Straße entlang und zwei Männer folgen ihm. Er tut kein Wunder er predigt nicht und er heilt keinen Menschen so wie er das sonst tut. Er geht einfach und eszwei Männer folgen ihm, bis er sich umdreht. Und vermutlich, weil er genau wusste, dass sie ihm folgen. Jesus hat da so eine seltsame Angewohnheit, Menschen zu bemerken, die kein anderer sieht. Menschen, die nur den Zipfel seines Gewandes berühren. Gerade die sieht er. Die Normalos, uns. Und dann folgen die ersten Worte von Jesus im Johannes-Evangelium. Zuvor hat Jesus noch kein Wort in diesem Evangelium gesprochen. Und die ersten Worte, die er sagt, die sind keine Predigt, die sind kein Zitat aus den alten Schriften, keine kluge Lebensweisheit. Nein, dieses erste Wort im Johannes-Evangelium sind eine Frage:
„Was sucht ihr?“
Und lasst mich diese Frage vielleicht nochmal ein bisschen anders stellen:
„Was suchst du?“
Ich finde es schön, in so viele Gesichter heute Morgen zu gucken und ich glaube, jeder einzelne von uns ist heute Morgen hier, weil er oder sie irgendwas sucht. Vielleicht suchen wir Gemeinschaft, Akzeptanz, einen Ort, an dem wir unseren Sonntagmorgen verbringen können, vielleicht eine Begegnung mit Gott. Und dann würde ich sagen, gut, dass du hier bist. Gut, dass du hier bist. Denn ich glaube, genau das kann man hier alles finden. Und wenn du hier heute Morgen bist, dann sage ich dir herzlichen Glückwunsch, denn du hast es schon mal mindestens ins Wartezimmer geschafft. Das ist super. Diese beiden Jünger haben es auch geschafft. Nur dass es diesmal nicht eine Arzthelferin ist, die fragt, was braucht ihr, was fehlt euch, sondern Jesus, der fragt, was suchst du? Und dann kommt die Antwort auf diese Frage, die ist genauso unspektakulär wie die Frage selbst. Rabbi, wo wohnst du?
Wenn ich mal jemand neues kennenlernen würde, dann würde ich die Person wahrscheinlich auch zum Kaffeetrinken einladen, beziehungsweise ich würde mich zu der Person zum Kaffeetrinken einladen. Ich finde nämlich gut, dass sich Leute nicht zu mir zum Kaffeetrinken einladen, weil da gibt es einiges zu sehen, was ich erklären müsste, obwohl, ich habe meine Wohnung aufgräumt. Aber genau an diesem Punkt setzt die Frage der Männer an. Sie wollen nicht nur kurz auf der Straße mit Jesus quatschen, sie wollen nicht sein Werbeprogramm in Kurzform haben, sie wollen keinen Flyer von ihm, sie wollen sich mit ihm an einen Tisch setzen und wissen, wer er wirklich ist. Und welchen besseren Ort gibt es, um jemanden kennenzulernen, als sein Zuhause? Sie wollen in dieses Haus gucken, wie lebt er was ist diesem Mann wichtig? Dasssieht bei den meisten direkt. hängt vielleicht ein riesiges Bild vom FC Bayern München, oder ein Bild von den Kindern ein Pferdebild oder da stehen vielleicht schöne Dekosachen. Wahrscheinlich sah das bei Jesus nicht so aus. Wahrscheinlich hat man direkt beim reingehen in das Haus erkannt was ihm wichtig ist, nicht das was dieser Welt ist wichtig ist sondern das Himmelreich. Und das ist genau der Kern dieser Frage. Wo wohnst du heisst eigentlich: Wo können wir bei dir sein? Wir wollen uns nicht nur hier treffen, wir wollen auch bei dir hier wohnen. Jetzt, morgen und in Ewigkeit. Und dann kommt der Teil, auf den ich diese Predigt überhaupt genannt habe. Der spannendste Satz, und zwar:
„Kommt und seht.“
Jesus hätte viele Dinge sagen können. Wir müssen uns überlegen, dass ist kurz bevor Jesus anfängt zu wirken, das heißt, er kennt all das, was die Männer suchen. Er weiß, was passieren wird. Er kennt alle Dinge, die er ihnen später sagen wird. Das heißt, er hätte ihnen alles offenbaren können, direkt auf der Straße. Aber er entscheidet sich für zwei Aufforderungen, von denen er glaubt, dass er damit ihre Bedürfnisse befriedigen kann. Dass wenn sie diesen Aufforderungen folgen, dass sie dann das finden werden, wonach sie wirklich suchen. Lass uns diese Wörter kurz nochmal einzeln betrachten. Wir haben
Kommt!.
Und das finde ich spannend, weil Jesus sagt nicht, bleib mal kurz hier, ich erkläre es euch. Er sagt, kommt. Und ich glaube, wir vergessen manchmal ein bisschen, wie oft Jesus eigentlich unterwegs war. Das Lukas-Evangelium ist dafür bekannt, dass es das Weg-Evangelium ist. Das Wort Weg kommt oft vor, es geht viel um Bewegung, Jesus ist viel unterwegs, aber das zieht sich eigentlich durch seine ganze Wirkungsgeschichte. Er war quasi nur unterwegs in verschiedenen Orten, um zu predigen, zu heilen, Wunder zu wirken. Und wer war immer mit dabei? Seine Jünger. Das war ein essentieller Teil des Schülerseins von Rabbi, Meister, Lehrer, Jesus. Dass man seinem Rabbi überall hinfolgt wo er hinging. Das hat nicht so viel mit Schülern zu tun, wie wir sie heute kennen. Wir alle waren mal in der Schule und wir alle fanden es nervig und wir alle haben uns auf die Pause gefreut, weil man endlich mal nichts lernen musste. Aber das Lustige ist, bei dieser Art von Schülern ist es genau andersrum. Die freuten sich, wenn sie etwas lernen durften. Die freuten sich, wenn sie mit Jesus unterwegs waren. Und wenn wir die Evangelien lesen, dann sehen wir, dass es sogar so andersrum war, dass die Jünger fast schon Panik oder Angst hatten, wenn sie mal eine Zeit lang nichts gelernt hatten und nichts los war. Und das ist spannend. Weil ich glaube, davon können wir auch viel lernen dafür, was es heißt, ein Schüler von Jesus zu sein.
Nachfolger zu sein bedeutet nicht, dass ich alles verstanden habe. Dann wäre ich ein Nachwisser. Nein, ich bin ein Nachfolger. Und als Schüler bin ich zuerst Nachfolger. Es beginnt, dass ich mich auf Jesus zubewege. Diese beiden Männer, die wussten fast gar nicht über Jesus. Die hatten kein Theologiestudium hinter sich, die hatten kein Vaterunser, kein Glaubensbekenntnis. und sie hätten vor allem keine Ahnung, was sie in den nächsten Jahren erwarten würde. Und trotzdem gehen sie los und folgen dieser Einladung Jesu: Kommt! Und vielleicht ist das auch ein bisschen unser Problem. Wir sitzen im Wartezimmer unseres Lebens, unseres Glaubens und die Gründe, warum wir hier sitzen, die sind wahrscheinlich extrem unterschiedlich. Für jedes einzelne Gesicht gibt es einen eigenen Grund, warum man hier sitzt. Vielleicht geht es dir um deinen Zukunftsplan oder du hast das Gefühl, du trittst auf der Stelle oder um dein Glaubensleben oder dein Engagement hier in der Gemeinde Und du sitzt im Wartezimmer und denkst dir, wenn ich nur mehr verstanden hätte. Wahrscheinlich würde ich dann auch aufgerufen. Oder vielleicht denkst du dir, wenn ich erst das Zeichen habe, wenn Gott mir das eine Zeichen gibt, dann gehe ich los. Und wenn ich nur lange genug warte, dann wird sich die Tür irgendwie von selbst irgendwann öffnen. Dabei wurdest du, genau wie ich am Anfang, schon längst aus dem Wartezimmer herausgerufen.
Jesus sagt nicht: hey, bleib mal kurz hier. Wie ein Kind, das vergessen wurde abzuholen. Er sagt, komm, sei mutig, mach den ersten Schritt. Mach ihn mit mir und ich werde bei dir sein. Und vielleicht sitzt du heute Morgen auch hier in deinem eigenen Wartezimmer. Dann wartest du schon längst darauf, dass Gott was in deinem Leben tut. Aber vielleicht wartet Gott ja darauf, dass du den ersten Schritt mit ihm gehst.
Versteht mich bitte nicht falsch, das bedeutet nicht, dass wir uns das erst erarbeiten müssen. Dass wir genug tun müssen und genug machen müssen, damit Gott endlich in unserem Leben wirken kann. Und damit er das tut, was wir wirklich möchten. Dass er uns das gibt, was wir wirklich suchen. Aber ich glaube, ganz ohne unser eigener Engagement funktioniert das auch nicht. wir müssen erkennen dass wir im Wartezimmer sitzen und dann sagen okay ich bin einfach mal mutig und klopfe an diese Tür. Ich glaube dass er mich in seinem Team haben und mich nicht hier vorne sitzen lassen möchte. Ich habe jetzt mal einen kurzen Reflektionsmoment zu diesem ersten Teil der Predigt bevor es weitergeht. Setzt euch kurz auch in euer „Wartezimmer“ Stellt euch diesen Fragen, beantwortet sie ehrlich und dann geht es gleich weiter.
Jesus sagt nicht nur: „Komm!“ Er sagt auch noch:“Seht!“ oder, ich habe das einfach mal auf mich oder dich bezogen: „Sieh!“. Er sagt nicht, bleib hier und hört mir jetzt mal zu, welche Vision ich mit euch habe. sondern er sagt, kommt mit und seht selbst, was mir wichtig ist. Und ich glaube, an dieser Stelle begegnen wir dem eigentlich wahren Kern der Aufforderung, der logischen Konsequenz aus dem Kommen, dem Unterwegssein. Das können wir Menschen gut. Wir können auch unterwegs sein mit einem anderen Weg außer Jesus. Ich muss sagen, ich muss mich da selbst an die eigene Nase fassen. Unterwegs sein kann man immer gut. Wenig schlafen kann man immer gut. Viele Termine haben. Aber das macht uns rastlos. Und wenn Jesus uns ruft, dann ruft er uns nicht primär zu irgendeiner Tätigkeit. Ich glaube, gerade in Gemeinden kann man da sehr schnell in sungesunde Muster verfallen. Wieder, ich packe mir an die eigene Nase. Dass man denkt, ich bin erst ein guter Christ, wenn ich oft genug Musik im Gottesdienst mache. Oder ich bin erst gut genug, wenn ich Teil von genug Teams bin und genug Aufgaben habe und auf der Bühne stehe und Leute sehen, dass ich was mache. Keine Sorge, ich freue mich über alle Leute, die sich in Teams engagieren. Und eventuell bräuchten wir da auch noch ein paar mehr Leute. Aber die Einladung Jesu ist nicht primär, kommt und arbeitet oder kommt und beweist euch, sondern kommt und seht. Mit anderen Worten, kommt und erlebt selbst, wer ich bin. Erlebt mich mit all euren Sinnen. Seht mich, riecht mich, fühlt mich, schmeckt mich, hört mich.
Ich muss da an diese Geschichte von Martha und Maria denken, weil sie so gut passt. Die eine Schwester tut alles, nur um für Jesus eine gute Gastgeberin zu sein. Und schuftet und plagt sich ab. Und die andere sitzt zu seinen Füßen und hört einfach nur zu. weil sie verstanden hat, es geht nicht zuerst um komm und arbeite sondern bevor ich anfange für Jesus zu arbeiten kommt sein komm und sieh, erlebe mich live und ich glaube, dass wir das heutzutage manchmal wieder lernen müssen Jesus live und in Farbe zu erleben. Wir haben so viel Material, wir haben so viele Predigten, so viele Podcasts und Bibelkommentare und Biografien aber irgendwann kommt der Punkt an dem ich an dem der Glaube nicht mehr durch Zuhören wächst, sondern durch Erleben. Dass es in meinem eigenen Leben präsent wird. Ja, ich kann Predigten über Gebet hören. Aber wirklich verändern wird es unser Leben erst, wenn wir es selbst machen. Und ja, ich kann Predigten über Nachfolge hören. Aber irgendwann muss ich mich selbst auf den Weg machen. Und Jesus selbst in der Bibel suchen. Und ja, ich kann auch Predigten über Vergebung hören. Das ist super. Aber wenn ich möchte, dass es Früchte trägt, dann muss ich das auch anwenden. Und sehen, welche Frucht es bringen kann. Vielleicht dieser einen Person vergeben, die ich schon seit Jahren im Herz habe. Es tut mir leid, aber ich muss euch nochmal in das Wartezimmer schicken.
Denk mal kurz drüber nach. Vielleicht hörst du diese Einladung Jesu heute zum ersten Mal. Oder du hörst sie heute Morgen ganz neu. komm zu mir und sieh erst mal. Wo hast du das letzte mal Zeit nur mit jesus verbracht nicht ihm zu bekommen oder um eine Aufgabe zu erledigen oder eine Antwort zu finden sondern einfach nur um bei ihm zu sein Ich werde nochmal kurz einen kleinen Moment Zeit. Ich setze mich nochmal mit euch ins Wartezimmer. Und danach kommen wir dann zum Ende.
Ich kann euch gerne, wenn ihr wollt, die Frage auch abfotografieren. Ich sehe schon eins. Das ist sehr gut. Ich glaube, das lohnt sich, sich diese Fragen auch mal regelmäßig im Alltag zu stellen. Ich muss mir die auf jeden Fall auch slbst stellen und merke dann, wie sehr ich doch manchmal Jesus aus den Augen verliere. Wir kommen jetzt schon langsam zum Ende dieser Predigt. Aber es gibt einen ganz, ganz wichtigen Punkt, den ich gerne noch behandeln würde.
Wir reden ja immer darüber, dass man Bibeltext nicht einfach aus dem Kontext ziehen sollte. und in diesem Fall ist es sogar wirklich wertvoll, denn direkt nach dem, was wir noch gelesen haben, passiert etwas Spannendes. Denn die Geschichte dieser Männer, die geht natürlich weiter und ist fast noch beeindruckender als das, was bisher passiert ist. Die Männer, die Jesus begegnet sind, gehen zu ihren Freunden. Andreas begegnet Petrus, so zu seinem Bruder, und Philippus begegnet Jesus und trifft anschließend Nathanael. Aber wir können uns vorstellen, er war jetzt skeptisch, wenn er das hört. Jesus von Nazareth? Er sagt, kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen? Was soll Philippus jetzt darauf antworten? Eine hochtheologische Antwort? Zitiert er die alten Schriften? Lange Predigt? Nein. Philippus sagt den einen Satz, den einen Satz, der sein Leben für immer verändert hat. Komm und sieh!
Wer Jesus gesehen hat, der möchte, dass es auch andere erleben. Es sprudelt aus ihm heraus. Er kann gar nicht anders, als diese Einladung auszusprechen. Und ich glaube, wir alle kennen diese eine Person in unserem Umfeld, die auch sagt, kann denn von diesem Jesus wirklich was Gutes kommen? Kann denn die Kirche wirklich ein guter Raum sein? Kann Glauben wirklich wertvoll sein? All diese Fragen, kann das wirklich wahr sein? Ich glaube, wir haben alle diese eine Person in unserem Umfeld. Und die meisten von uns nicht nur eine, die kritische Anfragen haben. Und es braucht keine Theologie-Professorin, um diese Frage zu beantworten. Gott sei Dank. Es braucht eine Einladung: Komm und sieh. Mach dir selbst ein Bild davon. Setz dich gern zu uns. Du bist hier willkommen. Du bist willkommen in diesem Team. Und dann komm mit. Komm mit uns gemeinsam auf diese Reise. Wir sind nicht weiter als du. Wir sind auch auf dem Weg. Und ich glaube, an dieser Stelle schließt sich endlich der Kreis dieser Predigt. Am Anfang saß ich hier im Wartezimmer. Mein Name wurde aufgerufen, aber ich bin sitzen geblieben. Und manche von uns sind vielleicht auch da, im Wartezimmer unseres Glaubens, im Wartezimmer der Nachfolge. Im Wartezimmer einer Entscheidung. Und Jesus sagt, komm, raus aus dem Wartezimmer, rein ins Leben, rein zu mir. und wenn du kommst, dann wirst du sehen. Komm und sieh, nicht alles auf einmal, nicht jede Antwort, nicht jeden Schritt vielleicht wird es Zeiten geben, in denen werde ich dir was erklären und du wirst es nicht verstehen weil ich so schwierige Arztausdrücke verwende aber du wirst mich sehen und du wirst wissen, dass ich die Kontrolle habe dass ich weiß, was dir fehlt und dass ich dir helfen kann. Und ich glaube, je länger wir dort bei ihm sitzen und ihn ansehen, desto mehr wird es uns verändern Und wenn wir gesehen haben dann werden wir merken die schönste Einladung die wir anderen Menschen aussprechen können ist: komm und sieh! Nicht, ich habe alle Antworten Nicht, ich habe das was du suchst, ich kann dir erklären, was falsch läuft in deinem Leben, sondern: Ich habe was erlebt. Komm mit und sieh es selbst. Das ist eine freudige Botschaft. Das ist super. So einfach ist es. Keiner von uns muss ein Theologiestudium machen. Das reicht aus. Und das möchte ich euch heute Morgen mitgeben. Der erste Schritt zur Nachfolge. Dieser erste Schritt um Jesus zu folgen.
Amen
Heute morgen haben zwei Geschwister von einem Erlebnis erzählt, welches sie mit Gott hatten. Diese beiden Berichte muss ich einfach hier wiedergeben.
Zuerst Sara:
Ich möchte euch gerne mitteilen, was mir am Dienstag widerfahren ist. Das passt sehr gut in die Predigtreihe über die Waffenrüstung Gottes. Deshalb bringe ich jetzt einmal den Mut auf und erzähle das.
Am Morgen ging mein Wecker und ich drücke den dann gerne noch mal für sieben Minuten weg bis er sich dann wieder meldet. In dem Moment merkte ich einfach wie echt etwas angreifen will, wie ich einen Angriff erlebe von irgendetwas Bösem. Das war nicht so wie ein Gedanke, den man sich so zusammenspinnt, wenn man zum Beispiel so ein Horrorszenarium im Kopf hat, sondern es war wirklich so ganz real und von Aussen. Das war so richtig gehässig. So hat sich das angefühlt.
Ich versuchte mir das einzureden: Ach das ist nicht real hier, das ist grade nicht so. Ich bin vielleicht noch am träumen oder so. Ich spürte aber wie sich das Gefühl intensivierte, wie es immer stärker wurde und mir auch so eingeredet wurde dass mich von hinten etwas berühren möchte und mir Angst machen will. Ich wusste aber auch, das die Bettseite hinter mir leer ist, weil Jan schon zur Arbeit gefahren war und deshalb da nichts war. Mein Körper versteifte sich komplett. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Das war ein ganz intensives Gefühl. Ich merkte wie sich da ein richtiger Kampf aufbauschte den ich spürte und von dem ich Teil war. Ich erinnert mich an die Predigt vom Daniel letzte Woche. Ich weiß nicht ob ihr da wart. Da ging es um das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, also die Bibel und ich sagte mir Psalm 23 im Kopf auf weil das einfach das war, was mir eingefallen ist und was man so noch von früher aus dem Biblischen Unterricht kennt. Ich merkte auch, dass mich dieser Kampf so hochbauschte und die Mächte so gegeneinander hochspielten. Ich wurde so richtig kampfbereit und wollte meine Hönde zu Fäusten ballen aber es ging einfach nicht. Ich konnte mich nicht bewegen und konnte auch nichts aussprechen. Wenn ich nachts wach werde mache ich das sonst auch immer wenn ich merke da will mich was anfechten dass ich das laut ausspreche in Jesu Namen. Das ging aber diesmal nicht, deshalb konnte ich das nur in meinen Gedanken und ich merkte auch in dem Moment wo ich selber dagegen ankämpfen wollte: Es ging einfach nicht in meiner eigenen Kraft. Der Psalm 23 der half mir. Es bauschte sich immer weiter auf bis ich gefühlt Schmerzen erlitt. Dann war der Moment vorbei. Ich war hellwach und das Böse hatte von abgelassen.
Warum erzähle ich euch dass ganze jetzt? Zum Einen, weil das ganz gut zu dem passt, was Daniel letzte Woche gesagt hat und ich möchte euch drei Dinge mitgeben:
Danke
Nun Bernd:
Sara, das ist so gut, dass du das erzählt hast. Ich weiß nicht, ob man sich das wünscht, so etwas zu erleben, aber wenn man das erlebt hat, dann begreift man, dass Gott realistisch ist, tatsächlich existiert. Das ist nicht nur ein Gedanke, man wünscht sich dass nicht nur, sondern: Realität!
Am Pfingstmontag bin ich mit dem Motorrad Richtung Osten gefahren. Ich wollte ein älteres Ehepaar besuchen. Die hatten Eiserne Hochzeit und da war ich früher viel zu Gast und wir sind noch in Kontakt, in Obersuhl und ich fahre über Schenklenksfeld durch die Gegend, so hingeschwoft, bin gar kein Raser, ich fahr nur gern mit ’nem alten Motorrad da rum. Eine langgezogene Rechtskurve, es ging bergauf, von oben kam ein Auto. Das Auto konnte über mich hinweg über die Straße gucken, mich aber in der Kurve nicht sehen. Das Auto, ein Jeep mit einem Bullenfänger vorne dran (wie extra für mich vorgesehen) war voll auf meiner Seite. Es war in einer Sekunde plötzlich da und es war nicht nur ein bisschen auf meiner Seite, nein, es war total auf meiner Seite. Es war ’ne Sekunde, ich war plötzlich hinter dem Auto! Eigentlich ging das nicht weil kein Platz war. Ich war jedenfalls hinter dem Auto. Ich komme nach Hause, ich hatte angehalten, das war so ein bisschen Schockmoment. Das Auto ist weitergefahren, der hat noch mal geguckt ob ich auch weiterfahre, aber das hat den nicht weiter interressiert, egal denke ich, fährste weiter. Irgendwann komme ich nach Hause und erzähle das meiner Frau und sage: „Birgit, das und das ist mir passiert. guckt die mich mit großen Augen an, „Wann war das?“ Ich sage: „Naja, in Schenklengsfeld habe ich angehalten, ob da ne Bratwürstchenbude offen hätte, es war so eins, kurz nach eins.“ Da sagt Birgit: „Um 10 nach eins musste ich für dich beten, das ging nicht anders.“