Leid
Daniel Bäumner
Ev. Gemeinschaft, Frankenberg, 19.04.2026
Das Video zum Gottesdienst finden Sie hier.
Ich möchte mit euch heute über ein Thema nachdenken, was nicht so leicht ist. Wir wollen über das Thema Leid nachdenken und den Umgang damit und woher Leid kommt, was es mit uns macht. Die letzten Wochen waren sehr ambivalent, sehr bewegend. Zum einen hatten wir den Ostergarten mit ganz vielen tollen Begegnungen, viel Hoffnung, aber dann auch die Nachricht, die wir dann am Ostermontag bekommen haben von dieser Tragödie, von der ihr letzte Woche schon erfahren habt.
So waren die letzten Wochen einfach sehr ambivalent und ich habe gesagt, ich möchte mich gerne heute Morgen dem Thema stellen, weil das ein Thema ist, was vielleicht auch euch in den letzten Wochen beschäftigt hat, aber auch ein Thema das einfach Teil unseres Lebens ist, Leid.
Ich habe vorhin, wo ihr reingekommen seid, ein bisschen geguckt und habe gedacht, ja stimmt, da weiß ich, der hat dieses Leid, der hat dieses Leid, der hat das in seinem Leben erlebt und ich bin dann mein Leben durchgegangen in Bezug auf Leid. Und dann habe ich gemerkt, ja Leid ist auch schon oft Teil meines Lebens gewesen. Ja, wenn ich überlege, als ich zehn Jahre alt war, hat mich das das erste Mal irgendwie getroffen. Ich habe gedacht, ich kam auf eine neue Schule und habe mich gefragt, wie ist das, wenn jetzt alle um mich herum sterben würden? Und ich wäre alleine. So war Thema Leid plötzlich irgendwie in meinem Leben da. Ich musste mal zum Psychiater, glaube ich, in der Zeit, dann mit 16 habe ich mir viele Fragen gestellt, bin in Depressionen reingerutscht und so weiter. Und da war Leid ein Thema in meinem Leben. In dieser Zeit ist meine Cousine mit 18 Jahren bei einem Autounfall gestorben. Dann in den nächsten Jahren hat meine Mutter Brustkrebs bekommen. Da war Leid ein Thema in unserer Familie. Irgendwann bekam mein Vater Hirnbluten, war lange auf Intensivstation. Mein Schwiegervater ist stark pflegebedürftig und mein Bruder hatte vor einem halben Jahr einen schweren Schlaganfall. Also das heißt, wenn ich heute über Leid mit euch rede, kann ich ein bisschen was dazu sagen, weil mich auch Leid in meinem Leben beschäftigt hat.
Natürlich kommen da doch immer Fragen im Leben hoch. Woher kommt Leid? Wo ist Gott in diesem Leid? Und bevor wir in das Thema einsteigen, möchte ich aber auch sagen, ich weiß, Leid ist sehr unterschiedlich. Und es gibt nicht die eine Antwort auf alle Leidfragen. Es kann sein, dass man Tragödien erlebt, es kann sein, dass man Ausgrenzung von anderen erlebt, es kann auch sein, dass man Einsamkeit erlebt. Und wenn wir in anderen Teilen der Welt heute im Gottesdienst wären würden wir Christen treffen, die Leid erleben durch Verfolgung. Das heißt, ich habe nicht die eine Antwort auf alles Leid. Und diesen Anspruch habe ich auch gar nicht. Und vielleicht sind auch die Antworten, die ich für euch habe, heute gar nicht so befriedigend für euch. Das sind aber Sachen, die mir geholfen haben. Und ich möchte euch einladen, da auch für euch weiter zu überlegen, auch in euren Kleingruppen. Und auch mit Gott darüber zu reden. Das heißt, Leid ist sehr unterschiedlich. Leid kann unterschiedliche Fragen haben und unterschiedlichen Umgang.
Ich möchte das heute Morgen anhand von einer Person machen. sein Name ist Hiob. Wenn ihr in eurem Leben nach Kindernamen überlegt habt, in der Bibel, warum hat sich keiner für Hiob entschieden? Da kommen so tolle Namen wie Daniel oder andere Namen, aber Hiob, ich habe noch niemanden gehört, der sein Kind Hiob genannt hat. Warum nicht? Schauen wir uns heute mal die Geschichte von Hiob ein bisschen genauer an. Und wir lesen (Hiob 1):
Im Land Uz lebte ein Mann namens Hiob, Er war rechtschaffen, aufrichtig und gottesfürchtig und sein Lebenswandel war untadelig.
Bei wem von euch trifft diese Beschreibung zu? Ja, also er war rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und sein Lebenswandel war untadelig. Eine krasse Beschreibung, oder? Und dann steht dort:
… von allen Bewohnern des Ostens war Hiob der reichste.
Okay, vielleicht war er geschickt, vielleicht war er fleißig, vielleicht war er besonders gesegnet. Und dann hatte Hiob sieben Söhne und drei Töchter. Jetzt wird in diesem Abschnitt etwas von Hiobs Charakter so deutlich.
Sie gaben reihum Feste, dazu luden sie auch ihre drei Schwestern ein, um mit ihnen zu feiern. Wenn das Fest vorüber war, ließ Hiob seine Kinder kommen, um sie zu heiligen. Er stand frühmorgens auf und brachte für jedes Kind ein Brandopfer da, Denn er sagte sich, vielleicht haben meine Kinder gesündigt und Gott insgeheim gelästert.
Ich denke, wow, ein krasser Typ. Warum nennt niemand sein Kind Hiob? Er war untadelig, er war gesegnet, er war reich, er hatte Fürsorge für seine Kinder. Ein super Vorbild. Aber nun beginnt etwas in dem Leben von Hiob. Hiob verliert nach und nach seinen ganzen Besitz durch Umweltkatastrophen und durch feindliche Banden, die ihn überfallen. Dann kommt auch noch ein Bote herein in das Haus von Hiob und sagt:
… deine Söhne und Töchter haben im Haus ihres ältesten Bruders ein Fest gefeiert. Plötzlich kam ein heftiger Wüstensturm auf und traf das Gebäude mit voller Wucht. Es stürzte ein und hat alle deine Kinder unter sich begraben.
Plötzlich merkt man, Hiobs Leben ist ja irgendwie doch nicht so entspannt, oder? Stellt euch vor, in einem Moment sterben alle Kinder von Hiob. Was für eine schreckliche Tragödie. Aber die Reaktion von Hiob darauf ist interessant. Der sagt:
„nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen und nackt werde ich sein, wenn ich sterbe. Der Herr hat mir alles gegeben und der Herr hat es wieder genommen. Gelobt sei der Name des Herrn.
Trotz allem, was geschehen war, versündigte Hiob sich nicht gegen Gott und sagte nichts Ungehöriges.
Das heißt, er hat alles verloren, seinen ganzen Reichtum und alle seine Kinder. Ich könnte verstehen, wenn er eine ganz andere Reaktion hätte, ja, seine Gefühle, etwas ganz anderes sagten, als das, was er hier jetzt gerade sagt. Das geht aber noch weiter und zwar Hiob bekam von Kopf bis Fuß ekelerregende Geschwüre.
Er setzte sich mitten in die Asche und kratzte sich mit seiner Thronscherbe. Seine Frau sagte zu ihm, willst du etwa immer noch an deiner Frömmigkeit festhalten, sag dich von Gott los und stirb.
Das kann ich sogar verstehen, diese Reaktion wenn dir alles genommen wird, so zu fühlen, oder? Kannst du die Gedanken und Gefühle dieser Frau verstehen? Ist das die Art, wie Gott mit denen umgeht, die ein rechtschaffendes Leben führen? Ist das der Segen, den sie abbekommen von Gott? Doch Hiob, der so dort sitzt, sagt:
„Du sprichst wie eine Frau, die dumm und gottlos ist, sollten wir das Gute aus Gottes Hand nehmen, das Schlechte aber ablehnen. Und noch immer sprach Hiob kein sündiges Wort gegen Gott.“
Ich sage so: wow, Hiob, was ist das für ein krasser Typ gewesen. Er sitzt dort, ja, kratzt sich nur noch die Wunde mit einer Scherbe und antwortet so. Ich möchte das an einem Beispiel erklären. Da ist ein Theater. und im Theater sehen wir ja oft nur das, was sich auf der Bühne abspielt. Wir sehen aber nicht, was sich dahinter abspielt. Wir sehen nicht den Regisseur, der das Stück geschrieben hat. Wir sehen nicht die Soufflöse, die den Text eingibt. Wir sehen nicht, wie sie sich umziehen und so weiter. Wir sehen immer nur das Stück. Und oft ist es in unserem Leben auch so, wir sehen das, was uns vor Augen steht, womit wir irgendwie umgehen müssen. Und das ist auch in der Regel in der Bibel so. Du siehst immer nur, was passiert, was geschieht.
Hiob ist mit das einzige Buch in der Bibel, wo wir einen Blick hinter die Kulissen bekommen. Das, was dahinter geschieht. Bevor das passiert. Und da möchte ich mit euch ein bisschen hinein sehen. Wir bekommen nämlich bei Hiob diesen Blick dahinter. Den Blick, was dahinter geschieht. Und vor diesen schrecklichen Ereignissen lesen wir Folgendes (Hiob 1,6-11):
Eines Tages erschienen die Engel vor dem Herrn und mit ihnen kam auch der Satan. Da fragte der Herr den Satan, hast du meinen Knecht Hiob gesehen? Er ist der beste Mensch, der auf Erde lebte. Er ist rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und verabscheut das Böse. Der Satan antwortete, ja, Hiob ist ein gottesfürchtiger Mann, aber er hat auch einen Grund dazu. Du hast ihn, seine Familie und seinen Besitz stets vor Unglück bewahrt. Du lässt ihm alles gelingen, was er unternimmt und sein Reichtum wächst immer weiter. Aber wende dich doch nur einmal gegen ihn und nimm alles weg, was er besitzt, dann wird er sich auf jeden Fall von dir lossagen.
Das ist ja eine ganz merkwürdige Situation, oder? Du bekommst so einen Blick hinter diesen Vorhang und du siehst, was dahinter passiert. Ja, und dann ist es so, dass seine Engel zu Gott kommen und Satan ist auch ein geschaffenes Wesen Gottes, ein Engel, der hat auch Zugang und plötzlich kommt es zu dieser Situation. Und dann sagt Satan zu Gott: Ja, natürlich liebt der dich. Warum denn? Naja, weil du ihn segnest. Wenn du ihn nicht segnen würdest, würde er dich auch nicht lieben. Und damit greift er Gottes Charakter an. Er sagt, wenn du nicht segnest, liebt dich auch keiner. Du wirst nur geliebt, wenn du auch segnest. Ansonsten würde er gar nichts mit dir zu tun haben wollen.
Vers 12: Gut sagt der Herr zum Satan, mit seinem Besitz darfst du tun, was du willst, ihn selbst aber rühre nicht an.
Jetzt kann man natürlich sagen was ist das für ein Deal, auf den sich Gott hier einlässt. Aber es ist auch interessant. Lest mal diesen Satz aufmerksam durch. Steht da was von seinen Kindern? Nein, da steht nur etwas von seinem Besitz. Von den Kindern steht da gar nichts. Und da wird jetzt schon wieder das Herz des Teufels deutlich. Gott gesteht ihm etwas zu und er ist so böse, er ist so schlecht, dass er noch mehr nimmt, dass er mehr Unheil anrichtet, dass er mehr kaputt macht, als Gott ihm eigentlich zugesteht, Jetzt kann man natürlich fragen, und diese Antwort kann ich euch auch nicht auflösen warum verhindert Gott es denn nicht, dass diese Kinder sterben und ich kann euch da nichts zu sagen, was ich aber sehe ist, dass sich hinter den Kulissen manchmal Dinge abspielen, die wir nicht sehen können und wo wir auch nicht immer Einfluss drauf bekommen. Was wir aber sehen ist, dass es hinter den Kulissen einen geistlichen Kampf gibt, wo wir oft nur das sehen, was vor Augen ist, wir aber nicht sehen, was dahinter geschieht.
Das Problem, was wir heute in unserer Gesellschaft haben ist, dass der Teufel oder der Satan so ein bisschen verniedlicht wird. Da gibt es hier im Fußball Kaiserslautern das sind die roten Teufel. Dann gibt es den Karneval, da verkleiden sich die Leute als Teufelchen. Dann gibt es die Serie Lucifer, wo ein ganz attraktiver Typ auftritt, bis hin zu Minecraft, ein Kinderspiel, wo dann auch mal Teufelchen vorkommen. Es ist so eine Verharmlosung und Verniedlichung da. Was wir aber über den Teufel und Satan wissen müssen ist, dass er abgrundtief schlecht ist und dass er nur Schlechtes will. Da ist nichts Gutes an ihm. Schaut euch folgende Bibelstellen an:
Seid wachsam und nüchtern! Euer Feind, der Teufel, schleicht um die Herde wie ein hungriger Löwe. Er wartet nur darauf, dass er jemand von euch verschlingen kann. (1.Petrus 5, 8-9)
Dann geht es weiter: (Epheser 6,12)
Wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister, die diese finstere Welt beherrschen.
Wir bekommen einen Einblick hinter die Kulissen. Die Gefahr ist, wenn wir nur das sehen, nur das beurteilen, was wir sehen, dann ist das wie wenn wir die Brille beschlagen haben oder wenn wir uns die Augen zuhalten. Um uns herum sind Kämpfe in einer geistlichen Welt, was da auch immer manchmal geschieht, die wir aber nicht vergessen dürfen. Hier geht es weiter.
Er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. (Johannes 8,44)
Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts. (2.Korinther 11,14)
Versündigt euch nicht, wenn ihr zornig werdet, die Sonne darf über eurem Zorn nicht untergehen, gebt dem Teufel keinen Raum in euch. (Epheser 4,26)
Das heißt, wir sollen dem Teufel in unserem Leben, in unserem Herzen keinen Fußbreit Raum geben. Warum? Weil er nur Schlechtes will, weil er nur Schlechtes im Sinn hat, wie im Leben von Hiob auch. Oder hier in der Offenbarung 12, 12:
Darum freue dich, Himmel, mit allem, die in dir wohnen, ihr aber Land und Meer müsst zittern, seit der Teufel dort unten bei euch ist. Seine Wut ist ungeheuer groß, denn er weiß, er hat nur noch wenig Zeit.
Das heißt, wenn wir in unserem Leben können, werden wir etwas tun. Wir können so tun, als ob es den Teufel nicht gibt, als ob es Satan nicht gibt. Wir leben hier mit Jesus, alles Friede, Freude, Eierkuchen. Dann crasht Leid in unser Leben und wir wissen überhaupt nicht, wie wir damit umgehen sollen, weil wir denken Leid gibt es nicht, denn es gibt ja nur mich und Jesus und alles ist gut. Aber das wird in der Bibel nicht gesagt. Da steht, wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte. Und wenn wir entweder den Teufel verniedlichen in unserem Leben, oder wenn wir so tun, als ob es ihn nicht gibt, dann ist das eine Gefahr, das ist wie wenn wir uns die Augen zuhalten und sagen, ich sehe nichts. Das heißt, ich glaube, dass der Teufel für viel Leid in der Welt zuständig ist. Nicht für alles. Aber ich glaube, dass das eine der Antworten auf die Frage nach dem Leid ist.
Jetzt kann man ja sagen, wenn der Satan doch ein Geschöpf Gottes ist, ist Gott dann nicht für dieses Leid zuständig? Weil: er hat ihn ja geschaffen und er hat ihm auch Raum gegeben. Gott hat uns aber geschaffen als Wesen mit freiem Willen. Wir können uns für das Gute oder für das Schlechte entscheiden. So wie der Teufel auch. Er konnte sich für Gott oder gegen Gott entscheiden. Das heißt, Gott hat die Möglichkeit geschafft. Und warum hat er die Möglichkeit geschaffen? Weil sonst keine Liebe möglich wäre. Ohne freien Willen wäre keine Liebe möglich. Aber so ist auch Hass möglich und somit auch Leid.
Ein weiterer Ursprung für Leid hat auch mit dem Satan zu tun. Wenn wir uns den Sündenfall anschauen bei Adam und Eva, da hat Gott uns geschaffen in perfekter Harmonie. Alles war gut in der Verbindung zu ihm. Und die Menschen wenden sich aus freiem Willen gegen Gott und hören auf wen? Nicht auf Gott, sondern auf den Teufel. Womit arbeitet der? Mit Halbwahrheiten, also mit Lügen. „Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft von keinem Baum essen?“ Nein, hat er nicht gesagt, nur von diesem einen Baum sollt ihr nicht essen. Und da kommt Leid in die Welt, die Menschen sind infiziert. Ich glaube, das ist ein weiterer Grund, warum viel Leid ist, weil wir Menschen infiziert sind mit Sünde und somit immer wieder verletzt werden. Viel Leid hat damit zu tun, dass wir andere nicht so behandeln, wie sie behandelt werden müssten, nämlich mit Liebe.
Ein weiterer Punkt den die Sünde dann in die Welt gebracht hat, der mit Leid zu tun hat ist, dass unser Körper dem Verfall bestimmt ist. Ich weiß nicht, ab welchem Alter nimmt man eigentlich dann schon nach und nach ab? 25? Aber natürlich kommt Leid in unserem Leben auch durch körperlichen Verfall. Ja, da kommen vielleicht Krankheiten, da kommt der Tod irgendwann. Wie viel Leid entsteht im Leben aus Tod? Ja, womit hängt das zusammen? Okay, mit dem Fall der Menschheit und der Sünde. Das heißt, wenn wir jetzt gucken, woher Leid kommt, dann hat es leider viel mit dem zu tun, was sich hinter den Kulissen abspielt. Und dass wir in einem geistlichen Kampf stehen in dieser Welt und wir in der Gefahr sind, diesen zu verharmlosen. Das heißt, viel Leid kommt durch die umkämpfte Welt, durch die gefallene Welt, durch die kranke Welt, durch die infizierte Welt.
Gott ist ein Gentleman. Wenn die Menschen ihn bitten, dass er gehen soll, zieht er sich auch zurück. Und wisst ihr, Jesus macht aus dieser Frage überhaupt keinen Hehl, er verharmlost das gar nicht. Jesus sagt ja nicht, hey, ich komme irgendwann wieder, freut euch, ich komme wieder. Bis dahin alles cool und entspannt. Hat Jesus das gesagt? Er hat gesagt, nein, die Kriege werden zunehmen, die Lieblosigkeit wird zunehmen. Er hat gesagt, Verfolgung wird zunehmen. Er hat überhaupt nicht gesagt, wenn ihr mit mir lebt, bleibt hier alles nur entspannt und chillig. Hat Jesus das je gesagt? Er hat gesagt, nein, ihr werdet in dieser Welt Leid erleben. Ihr werdet Hass erleben. Wenn du dir das letzte Buch in der Bibel anguckst, die Offenbarung, dann wird am Ende alles gut, aber nicht vorher. Und wenn ich mir die vielen Christen auf der Welt angucke, die sich in der Verfolgungsituation treffen, dann wissen die, wovon man redet. Und dennoch bleibt bei Hiob hier auch eine Frage offen. Warum verhindert es Gott am Ende nicht? Warum verhindert er nicht, dass Satan das tut? Und soll ich euch was sagen? Ich habe da keine Antwort drauf, warum er es vielleicht manchmal tut, manchmal nicht. Vielleicht tut er es ja viel höfter, als wir denken. Und wir kriegen nur das mit, wo das vielleicht passiert. Das wissen wir ja oft gar nicht, weil wir nicht den Blick hinter die Kulissen haben.
Kommen wir zurück zu Hiob. Er lebt nach Gottes Willen und erlebt eine Tragödie. Und wir bekommen hinter den Kulissen einen Einblick, wie es dazu gekommen ist. Nun ist bei Hiob der Reichtum weg, die Kinder gestorben, er erlebt körperliches Leid und seine Frau rät ihm von Gott ab. Und jetzt betreten drei Freunde die Geschichte von Hiob. Hiob hatte drei Freunde. Als sie von all dem Unglück hörten, dass Hiob getroffen hatte, beschlossen sie, ihn zu besuchen. Sie wollen ihm ihr Mitgefühl zeigen und ihn trösten. Wow, das sind wahre Freunde, oder? Die Frage ist, warum tun sie das? Sie sahen ihn schon von Ferne, doch sie erkannten ihn nicht. Als sie näher kamen und sahen, dass er es war, fingen sie an, laut zu weinen. Sie zerrissen ihre Kleider und warfen Staub in den Luft und auf ihre Köpfe. Sie sehen also diesen Hiob und sie sind sowas von mitgenommen. Sie sagen, wir haben keine Worte dafür aber wir sind da. Und jetzt lesen wir, dann setzten sie sich neben Hiob auf die Erde, sieben Tage und sieben Nächte blieben sie so sitzen, ohne ein Wort zu sagen, denn sie sahen, wie furchtbar Hiob litt.
Sieben Tage sitzen sie da bei Hiob und leiden mit. Das ist schon Wahnsinn, oder? Für wen würdest du das tun? Bei welchem Leid würdest du das tun, dass du sagst, ich komme vorbei und ich sitze sieben Tage, sieben Nächte bei dir und ich habe keine Worte dafür, aber ich leide mit dir. Keine schlauen Sprüche, keine schlauen Antworten. Sie wissen auch nicht, was hinter den Kulissen lief. Aber sie drehen sich auch nicht weg. Kein: lieber nicht begegnen oder einfach so weitermachen. Ich habe ja auch meinen Alltag, ich habe auch meinen Besitz. Ich muss auch gucken, dass ich weiterkomme. Sie sind einfach da und leiden mit. Vielleicht kommt dadurch ja auch das Wort Mitleid. Sie leiden mit. Sie tragen das Leiden mit.
Das Problem heute ist manchmal, ich glaube, wir können oft heute gar nicht so mitleiden. Wisst ihr warum? Vielleicht haben wir keine Zeit. Wir sind so beschäftigt. Wer hat schon sieben Tage Zeit, sich irgendwo hinzusetzen und mitzuleiden? Vielleicht sind wir auch manchmal überfordert, weil wir gar nicht wissen, was wir tun sollen oder was wir sagen sollen. Dann sehen wir jemanden im Supermarkt, sehen, dass er leidet. ach, dann gehe ich lieber woanders hin, ich weiß ja gar nicht, was ich sagen soll. Aber wisst ihr was? Wegdrehen ist eine schlechte Option, wenn jemand Leid trägt, wegzugehen. Was auch eine schlechte Option ist, schlau auf ihn losgehen sagen, wird schon wieder und so weiter. Das ist auch kein so eine gute Option. Aber ich glaube, was eine gute Option ist, ist: da zu sein und mitzuleiden und vielleicht auch zu sagen, ich nehme dich in den Arm, aber ich habe auch keine Antwort. Ich weiß auch nicht, was los ist. Aber ich bin da, ich bin für dich da. Ich trage dich mit, ich leide mit dir, so wie diese drei Freunde, die sagen, sieben Tage setzen wir uns jetzt neben dich und wir leiden mit dir.
Für wen würdest du das machen in deinem Leben? Könnt ihr mal kurz für euch überlegen, für wen würdest du so mitleiden? Wer würde das für dich tun? Oder für wen solltest du das tun? Manchmal kann man auch gar nicht mitleiden. Wisst ihr warum? Weil wir oft eine Kultur des Schams haben. Das heißt, wir zeigen vielleicht gar nicht unser Leid. Wir zeigen vielleicht nicht unsere Sorgen. Wir zeigen vielleicht nicht unsere Last. Weil wir denken, was soll der andere dann denken, wenn er weiß, was bei mir los ist. Das heißt, wir nehmen anderen dann sogar den Raum, mitleiden zu können. Aber wisst ihr,
wir brauchen eine Kultur des Scheitern-Dürfens. Des Verletzt-Sein-Dürfens. und dann eine Kultur des Mitleidens, Mittragens und nicht des Wegschauens.
Das ist übrigens eine zutiefst christliche Gemeinschaft, füreinander da sein, keine Besserwisserei, sondern tragen und getragen werden in den Stürmen des Lebens.
Nach diesen sieben Tagen beginnt Hiob zu sprechen. (Hiob 3, 1-3)
Ijob selbst brach schließlich das Schweigen. Er verfluchte den Tag seiner Geburt und sagte: Versunken und vergessen soll er sein, der Tag, an dem ich einst geboren wurde, und auch die Nacht, die sah, wie man mich zeugte!
Seine Gefühle bekommen nun Worte. Und wisst ihr, das ist gut, wenn Gefühle Raum bekommen, wenn Gefühle Worte bekommen. Und Gefühle sind auch erstmal nicht falsch. sondern es ist gut wenn du Wut, wenn du Trauer, wenn du Sorge hast, dass das Raum bekommt, dass man es aussprechen darf, dass man das anderen sagen darf, dass man es auch Gott sagen darf. Was nun folgt im Buch Hiob ist eine Diskussion, über 34 Kapitel lang. Hat von euch jemand Hiob schon mal am Stück durchgelesen? Nehmet euch mal Zeit dazu. Das ist ein bisschen wie ein Tennisspiel zwischen Hiob und seinen Freunden, die ganze Zeit bam, bam, bam, Hiob und seine Freunde, sie diskutieren über die Frage nach dem Leid. Die Freunde sagen, weil du gesündigt hast, ist das nun in deinem Leben passiert. Und Hiob sagt, nein, es ist einfach so passiert. Ich weiß nicht, was los war. Ich habe nichts getan. Warum? Und dann sagen sie, nein, nein, du bist jetzt aber hochnäsig, du bist oberflächlich, es muss wegen der Sünde sein.
Das ist jetzt die Diskussion, 34 Kapitel, die ganze Zeit. Ein Tun-Ergebens-Zusammenhang, das ist eine gefährliche Logik. Wenn es mir gut geht, muss ich Gutes getan haben. Wenn es mir schlecht geht, muss ich Schlechtes getan haben. Das kann ich sagen, wenn ich nicht den Blick hinter die Kulissen habe. Der Blick hinter die Kulissen sagt aber, nein, es geht hier um andere Dinge, es geht hier um Kämpfe und wir wissen oft nicht, was los ist. Und da ist es gefährlich zu sagen, wenn es dir schlecht geht, dann musst du schlecht gewesen sein. Das ist aber die Logik hier hinter, aber es erklärt uns sehr deutlich, nein, so einfach ist das überhaupt nicht in unserer Welt, so zu beurteilen.
Wir haben nun einen Blick hinter die Kulissen von hier, und es gibt einen Satz, den würde ich euch kurz vorlesen: Hiob sagt irgendwann zu Ihnen, was seid ihr doch für kluge Leute, mit euch stirbt ganz bestimmt die Weisheit aus. So, keine Ahnung, nach 25 Kapiteln sagt er, ihr wisst ja Bescheid. Und ich habe die drei am Anfang gelobt, ich finde es auch so cool, dass die da sitzen, sieben Tage. Die Diskussion nachher, Gott wird sie richtig tadeln dafür, weil er sagt, so einfach ist das Ganze nicht. Aber Hiob sagt, ihr habt es drauf, ihr wisst genau, was läuft. Und Hiob ringt in dieser Zeit mit Gott und er wendet sich verzweifelt an Gott und klagt auch Gott an.
Wir lernen, wir dürfen auch Gott anklagen. Wisst ihr, was Jesus am Kreuz gesagt hat? Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Gefühle zu haben, auch Wut zu haben und Trauer zu haben, das ist gar nicht das Problem. Es gibt sogar ein Buch in der Bibel, das heißt Klagenlieder. Wisst ihr, wie viele Klagepsalmen es in der Bibel gibt, wo diese Gefühle Raum bekommen? Wir dürfen das Gott sagen, auch weil wir gar nicht wissen, was sich um uns herum abspielt. Und Gott hält das aus, weil er ja sowieso weiß ja was in uns ist. Eines vorweg: am Ende spricht Gott Hiob Recht zu und klagt die Freunde mit ihrer großartigen Weisheit an. Und Gott wird Hiob wieder beschenken, er wird wieder reich werden, er wird neue Kinder bekommen und so weiter.
Nach diesen 35 Kapiteln Diskussionen über Leid fängt nun Gott an zu reden. Schlagt einmal das Buch Hiob ab Kapitel 38 bis 42 auf. Die Antwort Gottes an Hiob. Und da würde ich gerne mit euch ein bisschen reinschauen. Weil irgendwann, nach dieser Diskussion, fängt Gott an zu reden.
Jetzt hört sich das hier erstmal wie ein Tadel an Hiob an, oder? Nicht als ob er gelobt wird. Aber das, was Gott nun tut, ist, er begegnet Hiob. Was war vorher passiert? Es war viel Leid, es war viel Schmerz da. Wir bekommen einen Blick hinter die Kulissen und die Diskussion um das Aushalten und dann begegnet ihm Gott. Scheinbar mit einer Rüge. Aber das war Hiob egal. Wisst ihr warum? Das Entscheidende war, dass Gott nun geredet hat. Und was redet Gott? Er sagt, es tut mir leid, was du erlebst. Aber du bist gefangen in deinem Menschsein. Du bist wie eine Ameise und mein Blick ist viel größer. Ich sehe die Geschichte. Ich sehe, was war, was kommt. Und ich sehe auch die unsichtbare Welt. Und ich sehe die umkämpfte Welt. Und ich lasse aus Schwerem auch Gutes erwachsen. Zum Beispiel bei Jesus. Die größte Tragödie wurde zum größten Segen. In den ersten Jahrhunderten: wie viele Christen wurden verfolgt. Nicht, weil das gut war. Aber wie viele sind dadurch zum Glauben gekommen, inmitten von schrecklichem Leid. Nicht, weil die Dinge gut sind, sondern weil Gott gut ist.
und Gott sagt: ich sehe über dieses Leben hinaus.
Ich habe nie gesagt, dass hier alles nur gut wird und einfach. Ich habe euch gesagt, dass diese Welt umkämpft sein wird. Ich habe euch auch gesagt, dass sie euch verfolgen werden. Aber ich habe einen anderen Blick. Ich kenne das, was kommt und das, was war. Und bis dahin kämpfe ich für dich, Hiob, wie ein Löwe. Und ich will dein Heil. Und in den schlimmsten Schmerzen bin ich da. Und Gott sagt, ich bin für dich durch die tiefste Dunkelheit gegangen. Und irgendwann wirst du bei mir sein, in meiner neuen Wirklichkeit.
(Offenbarung 21,3) Dies ist die Wohnstätte Gottes bei den Menschen. Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abfischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage mehr und keine Qual. Was bisher ist, ist nun für immer vorbei.
Das ist der Blick Gottes. Wir sehen oft nur unser Leben, das was vor uns ist. Aber Gott sieht was wahr, Gott sieht die geistlichen Dimensionen, die Kämpfe und er sieht auch das was kommt. Wisst ihr wo das mal ganz deutlich wird? Bei Jesus. Da stirbt der Freund von Jesus, Lazarus, und was sagt Jesus? Er schläft nur. Wie kann er das sagen? Naja, er kennt den Blick hinter den Vorhang. Er weiß, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Er sieht, dass es danach erst wirklich beginnt und was dann die Realität sein wird. Wenn wir sagen, wir leben nur für unser Leben hier, wir investieren hier alles für unser Leben und nur hier finden wir Glück, naja, dann verzweifelst du im Leben. Aber Gott gibt den Seinen den Ausblick über dieses Leben hinaus. nicht als ein billiges Vertrösten, sondern er sagt, egal was in deinem Leben kommen wird, am Ende wird alles sehr gut. Und bis dahin trage ich dich und bin bei dir in den schwersten Stunden deines Lebens. Jesus hat zum Schluss zu seinen Jüngern gesagt; Ich gehe jetzt zurück zum Vater, aber ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Er hat nicht gesagt, es wird alles entspannt, es wird alles leicht. Er hat gesagt, es ist eine umkämpfte Welt. Aber ich bin da. Und Hiob bekommt nun diese Antwort, vier Kapitel lang. Lest ihr euch das wirklich mal in Ruhe durch, total spannend. Hiob bekam aber keinen Einblick in diese geistlichen Dimensionen. Er bekam auch keine Antwort auf die Frage, warum. Aber wisst ihr, was Hiob bekam? Eine persönliche Begegnung mit Gott. Und dann sagt er, das ist ein toller Satz (Hiob 42,5) :
„Ich kannte dich ja nur vom Hörensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“
Er sitzt dort im schlimmsten Leid. Und das, was ihm Frieden gibt, was ihm Heil gibt, ist eine Begegnung mit Gott, dass Gott redet. Gott hat nicht sofort geredet, oder? Er saß nicht da in den Scherben und zehn Minuten später hat Gott geredet. Wir wissen nicht, wann Gott redet. Wir wissen nicht, wann es passiert. Aber wenn wir mit Gott ringen und uns Gott zuwenden, wird Gott irgendwann antworten. Und das ist das, was hier unser Herz heilt. Dass er Gott begegnet, dass Gott redet, dass Friede für ihn da ist. Wisst ihr, wir bekommen in der Bibel kleine Schlüsselmomente, wo wir in diese andere Welt blicken dürfen, in die Welt um uns herum und auch in das, was kommt was die Dinge etwas verständlicher macht. Wie hier in dieser Situation bei Hiob mit Satan, wo dieser Kampf hinter den Kulissen stattfindet.
Dennoch ist in unserem Leben nicht einfach alles gut und jedes Leid ist unterschiedlich. Aber ich glaube das, was uns in Schmerz und Trauer hilft ist, was ich wirklich glaube, was am tiefsten hilft ist, wenn Gott redet. Wenn wir eine Begegnung mit Gott haben in einem Schmerz, in einem Leid. Und Hiob sagt irgendwann, (Hiob 19,25)
„Ich weiß, mein Erlöser lebt und als der Letzte wird er über dem Staub stehen.“
Und ich möchte mit euch eine Reihe an Dingen relativ schnell durchgehen, wo ich denke, die helfen mir. Ich weiß nicht, ob sie euch auch helfen. Vielleicht helfen euch drei davon, vielleicht auch nur einer, vielleicht auch alle. Wo ich sage, das hilft mir im Umgang mit Leid.
- Ringe mit Gott und suche ihn, bis er sich zeigt. Es gibt eine Situation, wo Jakob eine ganze Nacht mit Gott physisch ringt. Und irgendwann segnet er ihn. Wenn du Leid hast, setz dich mit Gott auseinander. Geh zu ihm und sage ihm alles, mit allen Gefühlen, mit Ehrlichkeit, mit Offenheit. Und wenn du sagst, Gott, ich verstehe überhaupt nichts und ich bin stinksauer, das hält Gott aus. Aber ringe mit ihm in dem Leid, das du hast. Setze dich mit Gott auseinander. Viele Menschen haben gesagt, dass sie in den schlimmsten Tragödien, in dem Leid, Gott am meisten erlebt haben.
- Das nächste ist, vergiss nicht den Blick hinter die Kulissen. Das ist ein geistiger Kampf. Gib Satan auch in deinem Leben keinen Türspalt Raum. Ja, Satan ist einfach nur schlecht und will Schlechtes für uns in unserem Leben. Jesus hat auch gesagt, bis zum Ende wird dieser Kampf andauern in dieser Welt. In diesem Kampf stehen wir. Aber er hat gesagt, ich bin bei euch alle Tage bis an der Weltende.
- Das nächste ist, behalte das große Ganze im Blick. Das heißt, unser Leben ist mehr als das, was wir hier sehen. Und die Zeit danach bei Gott, die Ewigkeit, ist definitiv länger als das Leben hier. So schön das hier ist mit euch zusammen Sonntagmorgens. Richtig wird es danach erst losgehen. Wenn wir das vergessen mit unserem Blick, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, verzweifeln wir. Wenn wir aber diesen Ausblick haben über das hinaus, macht es Hoffnung.
- Das nächste, was mir hilft in Bezug auf Leid ist, Gott wird irgendwann als der Richter alles gerade rücken. Vielleicht hast du Leid in deinem Leben, was dir von anderen angetan wurde. Vielleicht auch, wo schlimme Sachen stattgefunden haben, bis hin zum Missbrauch oder was auch immer. Ja Gott wird irgendwann als der Richter alles gerade rücken. Ja Das hilft mir auch mit Leid, mit dem ich nicht klarkommen kann, umzugehen.
- Gott kann aus Elend Gutes wachsen lassen. Das heißt nicht, dass das Elend gut ist. Ich muss mich erinnern, vor ein, zwei Jahren hatten wir eine Veranstaltung im Philipp-Soldan-Forum mit Michael Stahl. Er hatte er seine Familie mit dabei, seinen Cousin und seine Frau. Sie hatten jahrelang keinen Kontakt und er hat sich um Kontakt zu ihnen bemüht und dann hat er erzählt, dass eine Tragödie stattgefunden hat. Sie kam morgens ins Bad und ihre Tochter mit zwölf Jahren lag tot im Bad. Ich habe mit ihnen zusammen gegessen und ich habe gesagt, ich kann total verstehen, wenn ihr mit Gott nichts mehr zu tun haben wollt. Sie aber sagen: dadurch haben wir zu Gott gefunden. Und das ist krass, oder? Also, dass Gott aus den schlimmsten Tragödien Gutes entstehen lassen kann. Das heißt nicht, dass die Tragödie gut ist. Das heißt auch nicht, dass wir uns nach Tragödien ausstrecken sollen. Aber dass Gott aus dem Schlimmsten etwas Gutes machen kann wie zum Beispiel aus der Christenverfolgung der ersten Jahrhunderte hat er die Kirche erwachsen lassen. Gott kann aus dem Schlimmsten Müll Gutes entstehen lassen.
- Das nächste ist, kümmere dich um dein Leben, um seelische Heilung und Wachstum. Wenn wir das nicht tun, neigen wir dazu, anderen wiederum Leid anzutun. Je mehr wir geheilt werden, in unserem Herz, unserer Seele, hat das Auswirkungen auf unsere Beziehungen, bis hin auch auf unseren Körper.
- Das nächste ist, und ich muss sagen, es kommt sehr auf das Leid an, was man hat. Aber was ich mir für mich wünsche und auch für euch, dass ich ein dankbares Herz behalten kann. So wie Hiob der sagt, Gott hat es mir gegeben und genommen. Aber wenn man gerade mitten in dem schlimmsten Mist drin steckt, da kann man nicht einfach Danke sagen. Aber vielleicht wieder dahin zu kommen, um irgendwann wieder Danke sagen zu können.
- Das nächste ist, du bist in deinem Leben als Christ hingestellt um Friedensstifter zu sein um Wunden zu heilen, um Lasten zu nehmen. Setz dich in deinem Leben für Gutes ein, für Recht, für Liebe. Wir sind durch Jesus dazu gemacht, um das zu sein, um Leid mitzutragen. Du bist dafür da, um Leid anderer zu lindern.
- Das nächste, tragt einander und haltet das Leid aus. Das wünsche ich mir auch für unsere Gemeinde, wenn wir Leid erleben, dass wir uns nicht wegdrehen, dass wir die Augen nicht zuhalten, dass wir nicht einfach so weitermachen, wenn Dinge in deinem Umfeld passieren. Natürlich ist es immer unterschiedlich, wie nah man irgendwo dran ist, aber dass wir einander aushalten, dass wir auch mal die Wut aushalten, die Trauer, die Last, und dass wir das einfach als Gemeinschaft tun, jeder in seinem Umfeld.
- Das nächste ist, zeigt anderen euer Leid, damit sie euch tragen können. Versteckt die Dinge nicht. Ah, wie geht’s dir? Ja, alles gut. Ja, wie dumm, wenn wir so miteinander umgehen. Haltet das aus und öffnet euch auch mit diesen Dingen, damit andere mitleiden und auch mit für Dinge beten können.
- Das nächste ist, mache Leid zur Stärke. Wisst ihr, als ich depressiv war mit 16, 17, dann habe ich mir das nicht ausgesucht. Aber ich konnte andere danach verstehen, wenn andere so gefühlt haben. Das heißt, wenn du Leid erlebt hast in deinem Leben, kannst du es nutzen, um damit wieder ein Segen für andere zu sein.
- Das nächste ist, suche nach Antworten in Gottes Wort. Und das meine ich nicht als Floskel. Die Psalmen sind wunderbare Gebete von Menschen in allen Lebenslagen. Wisst ihr, wie viele Notpsalmen, Klagepsalmen es gibt, wenn man selbst vielleicht nicht beten kann, diese Worte zu nehmen und sie zu nutzen, um damit zu beten. Suche auch in anderen Dingen Antworten in Gottes Wort. Aber besonders im Leid sind die Psalmen einfach total super. Es steht da zum Beispiel, höre mein Gebet Herr, achte auf mein Schreien, sei nicht taub für mein Klagen und Weinen. Ja, so fühlt man sich dann. Vielleicht kann man es selbst nicht so aussprechen, aber das kannst du nutzen.
- Das nächste auch, suche Antworten in der Seelsorge. Wenn dir Dinge auf dem Herzen liegen, behalte das nicht für dich. Suche mit Christine oder mir oder anderen Leuten, vielleicht auch mal mehrere Wochen lang, nach Antworten zu suchen und zu ringen und nicht alles nur in dich hineinzufressen. Manchmal ist dann auch professionelle Hilfe nötig.
- Und dann zum Schluss, wenn wir Jesus anschauen, ich habe mal gelesen, jemand hat gesagt, er könnte nicht an Gott glauben, wenn er über Leid redet, wenn er das nicht erlebt hätte. Aber Jesus selbst hat alle Schmerzen, alle Krankheiten, alle Schuld auf seinen Schultern getragen. Er hat im Garten Gethsemane Blut geschwitzt, er hatte solch eine Last auf sich. Behalte Jesus im Blick. Seine Tragödie wurde zum größten Segen für die Menschheit. Er sagt, ich werde alles neu machen. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Im Leid immer wieder auf Jesus schauen, weil wohin sonst sollten wir gehen? Wo auf der Welt sonst finden wir Glück? Auch im Leid finden wir Glück bei ihm.
Der Marc, der kommt jetzt mal kurz nach vorne. Er hat nämlich selbst in seinem Leben Leid erlebt. Und er möchte euch mal kurz davon berichten, wie er damit umgegangen ist und wie das Leid in seinem Leben zum Segen wurde.
Marc: „Ja, also ich war, ich bin in einem unchristlichen Elternhaus aufgewachsen, das erst mal dazu. Und bin dann mit 13, ich bin mir nicht mehr ganz genau sicher, jedenfalls so 13, 14, war dann so ein Ereignis, wo ich, ich war bei meinem Vater, ich habe ein, zwei Wochen meinen Vater so gesehen und dann hat auf einmal mein Bruder angerufen und meinte dann so zu mir, meine Mutter würde nicht mehr aufstehen und sie ist dann letztendlich verstorben vom Samstag auf Sonntag. Und ja, das heißt, ich habe meine Mutter seit fünf Jahren nicht mehr gesehen und bin halt in dem Moment sehr am Boden zerstört gewesen und wusste nicht, was mache ich jetzt, wie lebe ich jetzt überhaupt weiter und wie komme ich aus dieser Situation raus ohne meine Mutter, wie soll ich das überhaupt schaffen. Ich meine, meine Mutter war eine Bezugsperson für mich und ich wusste einfach nicht mehr weiter und hatte auch noch nicht so den Bezug zu Jesus und wusste auch nicht, wie ich glauben soll. Und doch, auch aus dieser schlimmen Situation, was man erst vermuten könnte, kam dann aber letztendlich was Schönes raus. Denn in dieser Situation hat Jesus an meine Tür geklopft und hat gesagt, lass mich doch gerne rein und lass dich meine Liebe spüren. Und in dieser Situation kam ich dann durch so ein tragisches Ereignis zum Glauben und darf jetzt mit voller Liebe und Leidenschaft von Jesus erzählen und euch Mut machen, dass auch wenn die Situation gerade nicht schön aussieht, dass es doch was Gutes wird und dass man auf Jesus vertrauen darf. auch wenn man noch nicht so an ihn glaubt und in ihm verbunden ist.“
Danke. Ich möchte euch jetzt mal ein paar Momente Zeit geben, ein paar Augenblicke. Schaut euch die Dinge nochmal an und überlegt, was davon hilft euch in eurem Leid. Aber überlegt auch, woran stößt du dich. Das ist ja so: eine Predigt, kann auch ein Anstoß sein weiter zu denken, weiter zu ringen. Das heißt nicht, weil die Dinge mir helfen, müssen sie euch allen auch helfen. Das ist mein Umgang mit Leid, was mir hilft. Aber für euch mal zu überlegen und auch ins Gebet zu gehen, zu sagen, ja, ich habe das oder ich sehe das. Was ist für dich vielleicht gerade dran? Vielleicht mitzutragen, mitzuleiden, mitzugehen, einen neuen Blick zu bekommen. Nehmt das auch mit in eure Kleingruppen hinein, wo ihr auch mal zusammen darüber reden und ringen könnt. Ein bisschen Zeit für euch, überlegt das, was es für euch einfach bedeutet, nehmt das mit und ich schließe die Zeit im Gebet dann ab. Lass uns zusammen beten und ich lade euch ein, dazu aufzustehen, wenn das möglich ist.
„Danke, Jesus, dass du gesagt hast, dass du in allem Leid bis ans Ende der Welt da sein wirst. Und du siehst gerade diejenigen unter uns, die Leid haben, die Leid tragen, die vielleicht auch unter ihrer Last zu zerbrechen drohen. Ich möchte dich bitten, dass wir nicht wegsehen, uns nicht wegdrehen, sondern da sind und mitleiden und mittragen, so wie du das getan hast. Ich möchte dich bitten, dass du uns diesen Blick gibst, den wir in deinem Wort bekommen, über dieses Leben hinaus, hinter den Vorhang. Dass wir einfach Orientierung finden für Umgang mit Leid. Aber ich möchte dich vor allem bitten, Herr Jesus, dass diejenigen, die leiden, dass sie von dir angesprochen werden. Dass sie umhüllt sind von deiner Liebe, von deiner Gegenwart, von deiner Kraft. Und du bist mitten in das Leid hineingekommen, Jesus, um uns herauszuholen aus der Sünde, aus dem Tod, dass du alles neu machen wirst. Jesus, ich möchte dich bitten, dass du uns begegnest, besonders im Leid. Dass du uns trägst, dass du uns hältst, so wie in dem Gedicht „Spuren im Sand“ gesagt ist, wo wir nicht laufen können. dass du uns trägst. Lass uns eine Gemeinde sein, auch wo wir einander tragen, wo wir einander sehen, wo wir einander mitleiden, wo wir füreinander da sind. Und irgendwann wirst du alles neu machen, Jesus, und darauf freuen wir uns. Es wird kein Leid mehr geben, keine Trauer, das ist dann alles vorbei. Aber bis dahin wollen wir dich als unseren Leuchtturm im Blick behalten. Und auch mit dir reden über die Dinge, die wir nicht verstehen. Aber wir wollen immer wieder zu dir kommen. Du bist unsere Hoffnung, Du bist unser Anker, du bist die Hilfe in der Not. So möchte ich dich bitten für alle, die heute auch hier sind und einfach leiden, dass sie diese Last bei dir lassen können, abladen können und du da bist und sie in deine Arme schließt. Amen.
So lasst uns zusammen beten, wie Jesus uns gelehrt hat. Vater, unser Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf der Erde. unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schulden und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen.