Heil werden –

Angst Kristin Schmidtmann

Ev. Gemeinshaft, Frankenberg, 22.02.2026

Das Video zur Predigt finden Sie hier

 

 Ich freue mich auf dieses Thema heute. Ich muss aber gleich von vornherein sagen, das ist ein ziemlich dickes Brett, das Thema Angst. Ein großes Thema mit vielen Facetten, mit vielen Ausprägungen und manche Dinge werde ich heute nur anschneiden können. Sonst sitzt ihr noch ein paar Stunden hier. Das wollen wir ja nicht. Aber die Predigt wird lang genug, deswegen starten wir.

 

Ich möchte euch heute gerne mit hineinnehmen in eine sehr spannende Geschichte mit Jesus und seinen Jüngern. Und zwar die Geschichte der Stillung des Sturmes. Sie kommt in allen drei Evangelien vor, in Markus, Matthäus und Lukas. Alle drei haben die Geschichte von ihrer Grundstruktur gleich, aber haben verschiedene Schwerpunkte. In der Markus-Geschichte, das ist sozusagen die dramatischste Version. Es ist die älteste Erzählung, die es gibt und es ist eine sehr emotionale Erzählung. Matthäus dagegen, könnte man sagen, hat eher so den lehrhaften Teil drin und er ordnet so manches besser. Lukas ist die kürzeste und auch die sachlichste Version mit dem Thema. so ein bisschen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch das mal anschauen zu Hause. Jeder Evangelist hat so einen theologischen Schwerpunkt in seinem Evangelium, was er gerne besonders stark hervorbringen möchte. Und so ist das auch in den Geschichten. Es gibt keine richtige Version oder dass sie sich irgendwie durchsprechen, sondern sie ergänzen sich. Und das macht ein tiefes, geistliches Geschenk, was sie uns machen.

 

Wir nehmen heute die Markus-Variante und schauen wir mal in den Bibeltext hinein (Markus 4, 35 – 41):

Als es Abend wurde, sagte Jesus zu seinen Jüngern, wir wollen auf die andere Seite des Sees fahren. Jesus war schon im Boot. So entließen die Jünger die Menge, stiegen zu ihm ins Boot und fuhren los. Einige andere Boote fuhren mit ihnen. Doch bald darauf erhob sich ein heftiger Sturm und hohe Wellen schlugen ins Boot, bis es fast ganz voll Wasser gelaufen war. Währenddessen schlief Jesus hinten im Boot mit dem Kopf auf einem Kissen. In ihrer Verzweiflung weckten sie ihn schließlich und riefen, Lehrer, macht es dir denn gar nichts aus, dass wir umkommen? Jesus erwachte, betrote den Wind und befahl dem Wasser, schweig, sei still. Sogleich legte sich der Wind und es herrschte tiefe Stille. Und er fragte die Jünger, warum seid ihr so ängstlich? Habt ihr immer noch keinen Glauben? Voll Furcht sagten sie zueinander, wer ist dieser Mann, dem sogar Wind und Wellen gehorchen.

 

Die Jünger fahren mit Jesus über den See. Sie hatten einen langen Tag hinter sich. Jesus predigte zu einer großen Menschenmenge am Ufer und sagt, komm wir fahren jetzt rüber. Und er legte sich schlafen. Er war wahrscheinlich auch sehr müde. Und es war wirklich ein großer Sturm. Markus nimmt hier das Wort großer Sturm in den Mund. Es sind starke Winde. Auf dem See Genezareth war es manchmal so, dass es durch die Gebirge rund herum Fallwinde gab die wirklich große Wellen verursacht haben und es super gefährlich war, wenn das passierte, wenn man sich mit dem Boden auf dem Wasser befand. Unter den Jüngern waren ja Fischer und gerade sie konnten diese Gefahr gut einschätzen. Die Jünger hatten Angst, sie waren verzweifelt und sie wussten, ihr Leben ist jetzt wirklich bedroht. Und Jesus dagegen ist im Boot und schläft.

 

Ein kurzer Blick darauf, was Angst überhaupt ist, was da gerade mit den Jungen passiert. Es gibt ganz verschiedene Ausdrucksformen. Wir haben im Deutschen ganz viele Wörter für Angst. Aber grundlegend kann man erst mal sagen, Angst ist eine grundlegende, gesunde, emotionale und körperliche Reaktion von uns. Sie ist ein Warnsignal, sie hat eine Signalfunktion und es ist sehr gut, dass wir sie haben. Angst möchte uns etwas zeigen, bewusst machen. Es gibt ganz verschiedene Ängste. Nur so ein paar Beispiele. Es gibt diese reale Angst, in der sich die Jünger gerade befinden. Eine äußere, wirklich bedrohliche Situation ist vorhanden. Es gibt Ängste, die nur in uns drin sind und äußerlich ist aber keine Gefahr zu erkennen. Es gibt moralische Ängste kann man sagen, Eine Angst, mir oder den anderen nicht gerecht zu werden, jemanden zu enttäuschen, Erwartungen nicht zu entsprechen. Panik, Sorgen zählen auch zu den Ängsten, Beklemmungen, Generalisierte Ängste gibt es. Das bedeutet, wenn eine Angst ständig, dauerhaft immer im Leben vorhanden ist. Es gibt die Angst vor dem Tod, Angst vielleicht auch vor Verantwortung oder Freiheit, Angst vor Sinnlosigkeit, Angst vor Einsamkeit und Insolation.

 

In der Bibel wird noch eine weitere Angst beschrieben, eine Furcht, und zwar die Ehrfurcht vor Gott. Aber damit wir überhaupt Angst empfinden, dass wir mit Angst reagieren muss vorher etwas passieren, und zwar braucht es eine innere Bewertung, wie die Situation gerade ist. In Millisekunden entscheidet unser Gehirn darüber, ist das gerade was passiert gefährlich, ja oder nein. Es ist eine innere Bewertung, die wir erlernt haben, die in uns drin ist Das bedeutet aber, dass nicht die Situation an sich uns Angst macht, sondern wie wir das einordnen. Deswegen gibt es auch Ängste, die haben die einen, die anderen nicht. Manche haben Angst vor Spinnen, andere nicht, manche vor Höhe, manche nicht. Manche haben Angst hier vorne zu stehen und mit so vielen Leuten zu reden und andere nicht. Das liegt daran, dass wir unterschiedliche Bewertungen haben in uns drin. Das Gute daran ist aber, dass diese Bewertungen veränderbar sind, dass wir dem nicht ausgeliefert sind, wie wir Sachen einschätzen.

Ganz kurz nur nochmals so ein Abriss, was in uns wirklich so passiert, wenn unser Gehirn entscheidet, das ist jetzt gefährlich. Aufpassen! Es sind zwei Phasen im Ablauf. Eine, die dauert ein paar Millisekunden oder Sekunden, je nachdem, was die Reaktion ist. Da läuft ein automatisches Programm ab. Da haben wir eigentlich keine Chance, irgendwas daran zu ändern. Stress fährt hoch, Alarmbereitschaft im Körper, er streikt, so wie es gerade nötig ist. Der Körper reagiert und unsere Aufmerksamkeit wird komplett fokussiert auf das, was jetzt wichtig ist. Körperliche Reaktionen können sein: Herzklopfen ganz schnell, Puls steigt, ich zittere, ich schwitze, Kälteschauer, ein enges Gefühl in der Brust kann entstehen. Der Magen-Darm kann darauf reagieren. Ein Klos im Hals kann entstehen. Benommenheit, Schwindel, ich atme ganz schnell, Hyperventilation ist da. Es kann Taubheit, Kribbelgefühle in den Fingern, Kopfschmerzen, Schmerzen sein.

Also zuerst reagiert vor allem unser Körper darauf, weil er uns auf etwas vorbereiten möchte, auf das wir reagieren können. Das heißt, ich kann flüchten in der Situation, ich kann in den Kampf gehen, ich kann erstarren oder auch ich kann das Ding dann vermeiden, damit die Angst nicht noch größer wird.

Das ist Sinn und Zweck dieser ersten Phase. Die kann wirklich ganz kurz sein. Und danach kommt eine zweite Phase, da wird all das wieder nach unten gebracht. Stress sinkt, die körperlichen Reaktionen beruhigen sich wieder, alles wird wieder langsamer. Und jetzt passiert etwas, was in der ersten Phase nicht möglich war. In der ersten Phase können wir nicht logisch denken, also nicht gut, wenn ganz große Angst ist, gar nicht mehr, wenn es ein bisschen Angst ist, ein bisschen. Aber wir können schlecht entscheiden. Wir können schlecht die Situation wahrnehmen und logisch darauf reagieren. Das wird in der zweiten Phase wieder mehr möglich, als sich das sozusagen verändert. Das bedeutet, es ist eine sehr starke Verbindung zwischen meinem Fühlen, meinem Denken und meinem Körper. Es ist gut und wichtig, dass das so ist.

Genau das erleben wir ja bei den Jüngern im Boot. Und ich habe so gedacht, als ich die Geschichte gelesen habe, eigentlich ist es doch ziemlich hart, wie Jesus auf die Jünger dann reagiert, als sie ihn geweckt haben. Markus schreibt hier, warum seid ihr so ängstlich? Dieses Wort ängstlich, das steht im griechischen Deloi und das kommt nur dreimal im ganzen neuen Testament vor. Einmal noch bei der Matthäus, bei der Parallelstelle und in der Offenbarung. Und das bedeutet nicht nur, ich habe Angst, sondern es bedeutet mehr, dass ich mutlos bin. Manche Übersetzungen oder Kommentare schreiben auch feige. Es ist eine Angst, die den Glauben verdrängt. Matthäus verbindet Glaube und Angst stärker. Er fragt, warum habt ihr Angst für Kleinkläubigen? Lukas lässt die Angst weg und fragt, wo ist denn euer Glaube? Er bewertet überhaupt nicht, wie stark ihr Glauben ist, klein oder groß, sondern er fragt nur, wo ist denn dein Glauben jetzt? Aber wichtig an dieser Stelle ist, Jesus stellt nicht die Angst in Frage. Er verurteilt die Angst nicht und stellt die Angst nicht in Frage. Er verurteilt nicht dass die Jünger Angst haben, sondern er möchte dich fragen: wer bestimmt denn in dieser Situation was dein Wille ist, ist die Angst oder dein Vertrauen. Trotzdem ist es ja eine Art Kritik von Jesus so ein bisschen, würde ich sagen. Aber warum ist das so?

Als die Jünger Jesus geweckt haben, haben sie gesagt, Lehrer, warum kümmert es dich nicht, dass wir umkommen? Es war nicht so ein einfacher Hilferuf, sondern die Jünger haben Jesus einen Vorwurf gemacht. Liegen wir dir denn nicht am Herzen, kümmert es dich gar nicht. Wir gehen zugrunde, wir sterben und du schläfst. Du tust nichts, du lässt uns einfach sterben. Ist es dir egal? Verzweiflung, Angst, Enttäuschung, Misstrauen steckt dahinter. Sie fühlen sich von Jesus im Stich gelassen in diesem Moment. Und sie interpretieren seinen Schlaf in dem Boot mit den ganzen Stürmen rundum, als eine Gleichgültigkeit. Und da steckt doch eine Vertrauens-, eine Glaubensfrage dahinter. In den Psalmen finden wir das auch immer wieder. Warum schweigst du, wird da gefragt. Warum versteckst du dein Angesicht vor mir? Es ist die Angst, die wir bestimmt alle in irgendeiner Weise kennen. Bin ich dir denn wirklich wichtig? Liebst du mich wirklich?

Jesus antwortet oder reagiert auf die Jünger nicht mit Vorwürfen, sondern mit einer Gegenfrage. Und sie geht genau eben auf ihre Frage ein, denn er versteht, was dahinter steckt, was in uns wirklich los ist. Habt ihr noch keinen Glauben? Oder wo ist denn euer Glauben? Er möchte, dass die Jünger erkennen, worauf ihr Fokus gerade gesetzt ist. nur auf dem Sturm und sonst sehen sie nichts mehr. Und dann handelt Jesus mit großer Macht. Im Markus-Evangelium ist es das erste Mal von der Erzählung her, dass Jesus seine Macht über Naturgewalten zeigt. Und das war für die Jünger mit dem jüdischen Hintergrund etwas, dass nur Gott selber zugeschrieben wurde. In einem Psalm, Psalm 107 steht das. Gott ist der hier, der über die Natur herrscht, den Wind und Wellen gehorchen. Und hier tut Jesus etwas, was nur Gott eigentlich möglich ist. Und dann am Ende der Geschichte fürchten sich die Jünger noch mehr wie vorher. Markus beschreibt einen großen Sturm. Dann eine große Stille und dann mit einem anderen griechischen Wort, mit Phobos, eine große Furcht der Jünger. Aber hier ist die Ehrfurcht gemeint. Eine größere Ehrfurcht vor Jesus, der das tun kann und der mit ihm zusammen im Boden ist. Und deswegen ist am Ende der Geschichte diese Frage zentral, wer ist denn dieser Jesus? Wer ist dieser Mann, dem Wind und Wellen gehorchen? Es verändert sich der Blick auf den Sturm, der Blick weg von der Angst hin zu Jesus. Und Jesus sagt es ganz unverständlich. Angst gehört in diese Welt. Christen leben nicht angstfrei. Aber er sagt,

seid getrost, ich habe die Welt überwunden

Bei der Angst hört es nicht auf. Die gute Nachricht, das Evangelium verspricht nicht ein Leben frei von Stürmen. Die Verheißung Gottes ist, dass Jesus Gegenwart immer da ist. Das ist ein Versprechen. Schauen wir noch ein bisschen weiter.

Im Timotheusbrief, da nennt Paulus die Angst eine geistliche Gegenkraft. Er schreibt an Timotheus, Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, hier wird auch das Wort, aber nur in einer anderen Form verwendet, von Delius Delia, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonderheit. Es ist eine Ermutigung an Timotheus. Er ist dort in dieser Gemeinde und er ist in seinen Dienst an Grenzen gekommen. Er stand da äußerlich und innerlich ziemlich unter Druck. Er war mutlos und er überlegte, ob er sich von seiner Berufung zurückziehen sollte. Und in beiden Texten bedeutet das, dass die Angst lähmt, dass die Angst Vertrauen verhindert und dass die Angst Menschen passend macht. Es geht hier also nicht um diese normale Angst, die Angstreaktion bei wirklich realen Gefahren, sondern um eine geistliche Macht und darum, wer bei uns im Leben die Oberhand hat. Es geht um eine Angst, die einen nicht mehr loslässt, die uns beeinflusst, auch wenn uns das manchmal nicht so bewusst ist.

Wir kommen jetzt ein bisschen dazu, was Angst mit uns macht, wenn sie zu viel Einfluss auf unser Leben hat. Es ist so, dass die Angst, wenn sie uns bestimmt, dann bringt sie uns mit Gedanken in Bewegung. Wir grübeln, wir drehen uns oft im Kreis um die gleichen Dinge. Wir haben vielleicht so Worst-Case-Szenarien im Kopf. Und wir verlieren den Blick für Lösungen. Unser Körper ist im Alarmmodus. Stresshormone sind dauerhaft erhöht. Wir verlieren eine innere Freiheit, zum Beispiel um Entscheidungen zu treffen. Ein Tunnelblick entsteht bei uns. Wir schätzen Situationen schlechter ein. Wir werden nervöser, reizbarer, empfindlicher. Und es hängt uns ein, wie so ein Seil, was uns gebunden hält.

Was Angst noch macht, oder was Angst ist, das ist ein riesen Energiefresser. Wegen dieser Alarmbereitschaft, wegen diesem Stress, das es uns macht. Es ist eine permanente Anspannung. Das ist wie so ein schwerer Rucksack, den wir auf uns haben und der uns einfach das Leben schwerer macht. Und gleichzeitig kann es sein, dass wir beginnen, an uns selbst zu zweifeln. Dann entstehen Lügen in uns, wie zum Beispiel: ich schaffe das nicht, ich bin nicht gut genug, oder ich bin allein. Vertrauen in uns selbst, in andere oder auch in Gott, das kann ins Wanken geraten Schuldgefühle können wachsen und die Angst flüstert uns manchmal immer weiter Lügen ein. Ich habe wieder Fassade Ich bin nur noch eine Last Auch körperlich zeigt sich Angst. In Verspannungen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen sind typische Symptome von Angst. Verdauungsprobleme, dieses Enge in der Brust, was ich vorhin gesagt habe. Wenn Angst dauerhaft in uns vorhanden ist, erhöht das unser Cortisol im Körper auf Dauer. Und das bedeutet, dass unser Immunsystem geschwächt ist. Medizinische Studien belegen, dass chronische Angst, Dauer auf der Angst und Allergien in einem sehr hohen Maß voneinander abhängen.

Angst beeinflusst aber auch unsere Beziehung. Wir ziehen uns vielleicht zurück, passen uns an, vermeiden Konflikte, versuchen alles zu kontrollieren. und sie kann auch unser geistiges Leben bestimmen. Gott scheint weit weg zu sein. Ich fühle mich alleine, unsicher. Dieser Urzweifel kommt vielleicht immer wieder hoch. Bin ich ihm wirklich wichtig? Bin ich wirklich von ihm geliebt? Gebet fällt schwer. Wenn Angst übernimmt, dann hat das Auswirkungen auf unser Fühlen, auf unser Denken und auf unser Handeln, auf unsere ganzen Körper, auf unsere ganze Person.

Schauen wir nochmal zu den zwei Situationen von den Jüngern und von Timotheus. In beiden Fällen passiert das Gleiche. Diese Menschen schätzten die Angst ernster, höher, größer ein als die Gegenwart Gottes im Sturm. Jesus fragt deswegen, habt ihr noch keinen Glauben? Paulus sagt: Gott hat dir keinen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft. Und beides zielt auf dasselbe. Angst ist nicht die Wahrheit über deine Lage. Gottes Kraft ist schon da. Jesus ist mit im Boot dabei, auch mitten im Sturm. Und darum sind wir bei dem dritten Baustein, der hier eine wichtige Rolle spielt.

Jesus hat gesagt, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er hat verheissen, ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen. Und der Geist Gottes führt uns in diese Wahrheit hinein. Warum ist das so wichtig? Weil diese Lügen uns festhalten, gebunden halten und nicht die Wahrheit sind, kann ich der Wahrheit entsprechen. Falsche Bilder über Gott, ein falsches Bild über mich und ein falsches Bild über die Situation, in der ich mich befinde. Wo Gottes Wahrheit verdrängt wird von der Angst, wo sie außerhalb von unserem Blick vielleicht dann auch gerät, gewinnt die Angst sozusagen wie so ein Nährboden. Wenn aber die Wahrheit Gottes in uns erkannt wird und wir daraus leben, dann entsteht Freiheit. Es ist ein Versprechen Gottes, eine Verheißung von ihm, die jedem für uns gilt.

Schauen wir nochmal in diese Bootssituation Der Sturm ist da. Es tobt es braust es ist laut Die Wellen schlagen hoch. Bei Markus steht: das Boot ist fast vollgelaufen mit Wasser. Aber Jesus geht es darum, wie es hier drinnen aussieht. Die Jünger rufen, kümmert es dich denn gar nicht? Als wäre Jesus fern, als wäre er weg, als wäre er noch nicht da. Doch die Wahrheit ist ja, er ist im Boot. Angst erzählt uns manchmal Lügen. Und diese Lügen treiben uns manchmal in Panik, in Vorwürfe, in Misstrauen, macht einen Tunnelblick, der die Wahrheit ersticken kann. Die Wahrheit dagegen lautet, Jesus ist da. Und Jesus ist der Herr, auch wenn er schläft in dieser Situation. Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht. Es geht hier nicht nur um ein Gefühl, was mal geht und mal kommt. Es geht um eine Art Macht, einen Geist, der klein macht, der lügt, der lebt, der Vertrauen verdrängt. Und dieser Geist kommt nicht von Gott. Was gibt Gott stattdessen? Kraft, die trägt, Liebe, die weitet und Besonnenheit, die ordnet. Genau das fehlt den Jüngern hier im Boot. Wenn Jesus sagt, die Wahrheit würde ich frei machen, geht es nicht um Theorie, sondern es geht um die Beziehung, um die Wahrheit zwischen Gott und mir und die Wahrheit über ihn, über die Wahrheit über mich und auch wie diese Emotion wirklich ist, aus Gottes Sicht. Und im Boot würde das bedeuten, Jesus ist da, auch wenn er schläft. Und er hat diese Situation im Griff. Und wir sind nicht allein. So halten wir fest, die Sturmstillung, also der Sturm auf dem See, zeigt den Sturm äußerlich. Und Jesus stillt ihn. In Timotheus wird beschrieben, eine innerliche Ruhe, und Jünger erleben auch eine innerliche Ruhe, Jesus stillt den Sturm.

Gegenwart Gottes schafft Frieden!

Vielleicht ist es heute dran, dass du dich jetzt einmal fragst, welcher Sturm tobt vielleicht gerade in mir? Vielleicht auch etwas kleiner, der Sturm hört sich immer nur so groß an. Vielleicht ist es eine, deine Angst vor einer Diagnose, die vielleicht kommen könnte. Vielleicht ist es die Sorge um deine Kinder, die dich ständig nur beschäftigt. Vielleicht ist es eine Furcht, eine Beziehung oder einen Menschen zu verlieren. Vielleicht ist es ein innerer Druck, immer stark sein zu müssen. Vielleicht ist es auch die Last, Menschen gefallenlen zu wollen. Ich habe so darüber nachgedacht, was meine Ängste sind. Und eine Angst ist genau diese, dass ich manchmal Angst habe, dass ich von Menschen abgelehnt werde. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich in Tabor Theologie studiert habe, da wollte ich so gerne zu ein paar Leuten in der Gruppe dazugehören, weil ich diese cool fand. Und weil die Sachen gemacht haben, die mir auch Spaß gemacht haben. Und da habe ich aber gar nicht gemerkt, wie diese Angst mich bestimmt hat, in manchen Situationen, dass ich von ihnen abgelehnt werde. Und zwar habe ich dann manchmal von Dingen oder von Situationen erzählt, sie ein bisschen besser, dramatischer und abenteuerlicher gemacht, wie sie eigentlich waren. Ich habe ein bisschen besser von mir erzählt, wie es mir vielleicht in der Situation ging. Nur damit es nicht passiert, damit meine Angst sich nicht bestätigt, dass sie mich vielleicht doch nicht so gut finden, wie ich vielleicht bin. Vielleicht ist es bei dir was anderes, vielleicht ein Thema warum du nachts wach bist vielleicht eine Gedanke oder irgendwas was du noch nie jemandem anvertraut hast. Vielleicht kennst du aber auch diesen Satz in deinem Leben: kümmert es dich denn gar nicht?

Vielleicht fühlst du dich wie hier unsere Jünger im Boot. Außenherum ist alles ruhig, keine reale Gefahr vorhanden, aber hier drin sieht es ein bisschen anders aus. Wenn das so ist, dann ist diese Geschichte vielleicht heute für dich. Nicht als Vorwurf sondern als eine Einladung Jesus fragt dich heute: „Wo ist denn dein Glaube?“ Genau, in deiner Situation. Er sagt nicht, warums hast du Angst? Sondern er möchte dich einladen und sagen, schau wieder auf mich. Ich bin da. Ich sorge für dich. Ich führe dich hindurch. Manchmal stille ich den Sturm. Manchmal stille ich den Sturm in dir. Aber ich bin auf jeden Fall deine Ruhe und deine Frieden. Es ist okay, dass du Angst hast. Es ist okay, dass du nicht alles im Griff hast. Es ist okay, dass du Jesus weckst. Aber es ist nicht okay, dass die Angst und die Lügen das letzte Wort haben. Das ist unsere Verantwortung.

Ich möchte euch jetzt einladen. Und ihr habt kurz Zeit darüber nachzudenken, was ist es gerade bei mir. Und dann geht es noch ein Stückchen weiter. Wenn die akute Angst abklingt und wir uns sozusagen in so einer zweiten Phase befinden, dann werden wir wieder handlungsfähig. Und dann eröffnet uns Gott einen Weg, wo wir Schritt für Schritt gehen können, raus aus dieser bestimmten Angst, die Macht über uns hat, Schritt für Schritt raus ins Vertrauen. Wenn wir lernen wollten, gut mit Angst umzugehen, dann beginnt das Ganze mit einem sehr einfachen, aber entscheidenden Punkt. Wenn ich raus bin aus dieser Situation, dann nehme ich mir Zeit und frage, was passiert eigentlich gerade mit mir? Was ist da gerade gewesen, denn Angst hat ja diese wichtige funktion sie ist ja da um etwas zu zeigen sie ist ein inneres Signal die sagt schau hin da ist was in Bewegung, ich möchte dass du da drauf schaust, Also kurz innehalten wenn ich hineinspüre wie fühlt sich mein körper an, was geht mir gerade durch den Kopf. Was ist mit meinen Gefühlen los? Was passiert da gerade? Und dann darf ich sagen, ja, ich habe Angst, oder was dann auch immer ihr findet. Vielleicht ist es Panik, ist es diese Enge, vielleicht ist es eine Überforderung. Aber wichtig ist, in dem Moment die Sachen zu benennen, sie beim Namen zu nennen. Das holt schon ein bisschen Macht raus, nimmt der Angst wieder ein bisschen an Nährboden.

Sobald ich sage, ich bin ängstlich oder ich fühle Angst, dann bin ich nicht mehr so das Opfer der Angst, dem Ausgeliefertsein. Und dann gehe ich mit Gott darüber ins Gespräch. Ganz ehrlich und ohne irgendeinen Filter. Du darfst sagen, Herr, ich habe Angst. Es fühlt sich so an, als wärst du so weit weg. Ich weiß nicht, wie ich da durchkommen soll. Was von den Dingen eben gerade so in euch drin ist. Das ist keine Glaubensschwäche, sondern das ist eine Glaubensstärke. In den Psalmen lesen wir davon, zum Beispiel: Gott lädt dich und mich ein, ehrlich zu sein. Und wenn du dann vielleicht zurück schaust und merkst, die Situation war vielleicht gar nicht so bedrohlich, wie ich sie vorher angefühlt habe. Oder wenn du zurückschaust, dann sag: zeig mir deine Wahrheit über die Situation. Lass mich erkennen, was deine Einschätzung ist, deine Bewertung. Ich möchte das neu lernen. Denn mitten in der Angst schreit diese Lüge uns ja an: ich bin allein, niemand versteht mich. ich muss es alleine hinkriegen. Aber die Wahrheit ist, du bist nie allein. Die Wahrheit, die für jeden von uns gilt, ist Jesus‘ Zusage, ich bin bei euch alle Tage. Jesus ist mittendrin dabei mitten in unserem Lebensboot. Und das sagt Gott:

all eure Sorgen werft auf mich, denn ich sorge für dich.

Oder wenn du denkst, Gott hört mich nicht: Gott verspricht, ich bin denen nahe, die zerbrochenen Herzen sind. Oder ich schaffe das nicht: Gott verspricht, meine Kraft ist in deiner Schwachheit mächtig. Wenn ich einen Tunnelblick habe, sagt Jesus: ihr werdet die Wahrheit erkennen. Der Geist, der euch diese Wahrheit zeigt, lebt in euch und diese Wahrheit wird euch freimachen. Jesus sagt, komm her zu mir, wenn du mühselig und beladen bist. Ich will dir Ruhe schenken. Und dann geht es weiter. Angst nicht nur vor Gott zu benennen, auszusprechen, sondern auch vor vertrauten Menschen. Das, was ich das ausspreche und wo wir gemeinsam zusammen ins Gebet gehen, da verliert jeder die Angst an der Macht. Aber wenn die Angst viel Raum einnimmt, wenn sie dauerhaft vorhanden ist und wenn du einen großen Leidensdruck damit hast, dann wäre es auch gut, mit Therapeuten oder jemandem, der sich sehr gut damit auskennt, ins Gespräch zu gehen. Und was ich dann kann, ich akzeptiere, dass ich Angst habe. Es ist okay. Angst ist ein Gefühl, was zu mir gehört und es ist kein Versagen. In der Bibel, wie Susanne schon gesagt hat, steht über 120 Mal, fürchtet dich nicht oder fürchtet euch nicht. Ich habe bis vor kurzem noch so ein bisschen immer gedacht, das heißt, wenn du genug glaubst, wenn du genug betest, wenn du eng genug an Jesus dran bist, dann bedeutet das, ein Christ braucht keine Angst mehr zu haben vor nichts.

Fürchte dich nicht! So als eine Aufforderung. Aber ich denke nach dieser Beschäftigung mit dem Thema etwas anders darüber. Es heißt nicht, du darfst das nicht fühlen. Sondern: lasst die Angst nicht das letzte Wort haben. Angst darf sein, ja, aber sie darf mich nicht bestimmen. Sie darf nicht bestimmen, wem ich mehr glaube. In mir, in uns lebt eben nicht dieser Geist, sondern der Geist Gottes. Und es ist wichtig, Angst ist ein Teil von mir, aber sie ist nicht meine Identität. Sie sagt nichts daraus, wer ich bin. Sie ist ein Gefühl, sie ist ein Signal, ein Hinweis, aber nicht mehr. Und weil die Angst aus einer inneren Bewertung erfolgt, wie ich es am Anfang gesagt habe, kann ich mich gemeinsam mit Gott auf den Weg machen, Dinge neu zu bewerten, mit seinem Blick, mit seiner Wahrheit. Gott legt uns ein, ihn mit hineinzunehmen in das Ganze.

 

Herr, hilf mir die Situation mit deinen Augen zu sehen. Oder wo möchtest du mich verändern? Ich darf meine Wahrnehmung, meinen Fokus verändern lassen. denn die Frage ist doch, was ist größer die Angst und die Lügen oder Gottes Wahrheit seine Gegenwart in meinem Leben und so beginnt dann so eine neue Spur, ein neues Denken verändert mich so ein bisschen und manchmal heißt das dann auch dass ich diese Dinge, diese Lügen in mir, dass ich die ans Kreuz bringe und dass ich dann vielleicht auch Gott um Vergebung bitte. Vielleicht wollte er mir schon ganz lange was zeigen. Vielleicht habe ich ihn manchmal davon abgehalten, mich da zu verändern. Dann können wir auch sagen, es tut mir leid, Herr, dass ich mich nicht getraut habe, das zuzulassen. Ich kann ans Kreuz gehen und ich kann sagen, ich möchte nicht mehr, dass das mein Fühlen, mein Denken und mein Handeln bestimmt. Ich möchte die Angst nicht mehr so groß werden lassen in meinem Leben. Verändere du mich, hilf mir dabei. Die Angst bereitet uns auf eine Reaktion vor. Die Frage ist nur, auf welche. Wir können fliehen, wir können vermeiden und wir können erstarken. Aber wenn diese Angst, also wir reden hier nicht von einem, es kommt ein LKW und ich muss zur Seite springen, sondern wenn sie nicht realen Gefahren entspricht, dann ist es so, wenn ich das vermeide, wächst die Angst. Manchmal entsteht dann so Angst vor der Angst. Mein Gehirn lernt dann nämlich, mein Gehirn lernt dann nämlich, diese Situation ist wirklich gefährlich und da darf ich nicht hin. Das sollte ich vermeiden. Und dann sind diese Gedanken, die ich habe, diese Angst, die vielleicht am Anfang nur so klein anfängt, wie so ein Trampelpfad, und ich vermeide dann immer wieder diese Situation und gehe immer wieder außenrum und lasse mich nicht drauf ein, dann beschreibe ich jedes Mal, dann bestärke ich jedes Mal diese Angst und irgendwann entwickelt sie sich vielleicht zu einer Autobahn, wo die Angst ganz schnell in mir reagieren kann. Darum lade ich dich ein und läd Gott dich ein, gemeinsam mit ihm zu sagen, ich bleibe. und ich gehe kleine Schritte.

Ein Beispiel. Ich habe mal ein neutrales Beispiel gewählt. Wenn ich Angst vor Höhe habe, muss ich nicht gleich auf dem nächsten hohen Turm ganz nach oben klettern. Aber ich kann vielleicht fünf Stufen nach oben gehen oder wieviel auch immer, bis zu dem Punkt, wo ich es mit Gott gemeinsam gut aushalten kann. Dann atme ich tief durch. Das ist eine sehr gute Idee, um den Körper runter zu regulieren über die Atmung. Ich kann beten und ich halte inne. Und ich merke dann, ich bin nicht der Angst ausgeliefert. Ich bin handlungsfähig. Wenn ich nicht fliehe, nicht vermeide, sondern bleibe, dann wird die Angst meist nicht größer, sondern kleiner Auch wenn sie mir das Gegenteil einreden will. Aber die Wahrheit ist: keiner von uns muss immer alles im Griff haben Sondern Gott ist der, der es im Griff hat. Ich kann Schritt für Schritt gehen und es passiert dann etwas in uns. Neue Bewertungen entstehen von Situationen. Meine eigene Kompetenz wächst, mein Vertrauen wächst. Alte Muster werden durch neue ersetzt.

Ganz wichtig ist, wenn du so Schritte gegangen bist, dann nochmal innezuhalten, da drauf zu schauen, damit sich das abspeichern kann in unserem Kopf. Gott danke sagen, ich habe es geschafft, den Erfolg zu feiern, stolz zu sein, dass man das ausgehalten hat. Denn Vertrauen, der Glaube ist eine Trotzkraft. Er sagt nämlich, obwohl ich Angst habe, gehe ich. Obwohl ich mich unwohl fühle in der Situation, bleibe ich mit Jesus in der Situation drin. Angst muss nicht bleiben, wie sie ist. Ich darf mich verändern lassen, neu lernen und neu wachsen. Und am Ende, wie die Jünger an der Geschichte denken, wirst du Jesus tiefer kennen. Heilung beginnt nämlich genau dort sich mit Gott gemeinsam auf den Weg zu machen, immer mehr zu lernen und zu erleben, wer er ist und wer ich in ihm bin: ein geliebter Sohn, eine geliebte Tochter. Gottes Vertrauen wächst Schritt für Schritt und wir können dann immer mehr in seinen Verheißungen leben und daran wachsen. Angst wird abnehmen und unsere eigene Ehrfurcht vor Gott wird zunehmen, weil wir ihn immer besser kennenlernen und immer mehr entdecken.

Deswegen möchte ich mit euch jetzt so einen kleinen gemeinsamen Schritt hier jetzt schon tun. Ihr habt vorhin überlegt, was ist denn das, was euch zu dem Thema gerade beschäftigt. Was sind eure Ängste? An welchen Stellen möchte ich eine Veränderung haben? Wo möchtest du dich von einer Wahrheit näher bestimmen lassen? Wo möchtest du Freiheit erleben? Und vielleicht ist es jetzt dran, eine Entscheidung zu treffen für diesen Weg, den du mit Gott gehen möchtest. Schritt für Schritt mehr ins Vertrauen. Ich gebe euch gleich nochmal einen kurzen Moment, wo ihr nochmal auf Gott hören könnt, was jetzt dran ist. Was er dir vielleicht heute und hier jetzt persönlich sagen möchte. Dann wollen wir gemeinsam beten. Es ist ein Gebet speziell für das Thema Angst. Und wenn du dir da Veränderung wünschst, dann kannst du gleich bei dem Gebet bewusst aufstehen. und sagen, ja: das möchte ich für mich annehmen und das auch mitbeten. Direkt danach gehen wir dann über in ein Lied, wo wir weiterbeten wollen, dass Gott Raum in uns schafft und alles wegnimmt, was uns von ihm trennt. 

 

Amen

 

Siehe auch: Wer ist Jesus?
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