Heil werden – Neid und Eifersucht
Julian Drössler,
Ev. Gemeinschaft, Frankenberg, 08.02.2026
Das Video zum Gottesdienst finden Sie hier.

 

ch muss schon sagen, als ich dieses Theaterstück geschrieben habe in der Vorbereitung auf diese Predigt, da habe ich mich echt ein bisschen wiedererkannt. Neid hat eine ganz, ganz große Rolle in meinem Leben gespielt. Und vielleicht hast du dich auch schon mal so gefühlt, richtig neidisch oder eifersüchtig. Es gab diese Stimme in deinem Kopf, die gesagt hat, guck mal, wie viel andere Leute haben und wie wenig du eigentlich hast. Und diese Stimme, die nennen wir Neid oder Eifersucht und genau um dieses Thema sollen wir heute gehen.

Wir sind ja mitten in unserer Predigtreihe „Heilwerden“, weil wir glauben, dass Gott uns in der Bibel offenbart, wie wir Wege finden können, um heil zu werden, um Heilung zu erfahren. Ich glaube, es lohnt sich erst mal, bevor wir uns diesem Thema nähern, die beiden Begriffe Neid und Eifer zu klären, dennl wir verwenden die heute auch Synonym. Aber im Kern bedeuten sie zwei etwas unterschiedliche Dinge. Und ich möchte das kurz an zwei Geschichten festmachen in der Bibel. Und zwar an den Geschichten von Kain und Abel und an der Geschichte von Saul und David. Vielleicht erst mal zu Kain und Abel. Ich meine, die Geschichten kennt man ja.

Kain und Abel, das waren zwei Brüder, die Kinder von Adam und Eva. Und sie hatten zwei unterschiedliche Berufe. Kain, der war ein Bauer und Abel ein Schäfer. Und dann kam es eines Tages dazu, dass die beiden dort ein Opfer bringen sollten. Ja, Kain nimmt natürlich was von seinen Feldfrüchten, die er hat. Ich weiß nicht, was damals so angebaut wurde. Vielleicht Weizen, Kartoffeln, je nachdem, was gerade so saisonal da war. Und Abel, der schlachtet eins seiner Lämmer. Jetzt gibt es das Problem, dass Gott das Opfer von Abel besser findet. Das gefällt ihm einfach besser. Und ich persönlich kann das verstehen. Ich glaube, ich würde mich auch über ein schönes Lammkotelett mehr freuen, als über so einen Rosenkohlauflauf.

Kain hatte nur ein kleines Problem damit. Und wie das so ist in der Bibel, Leute treffen ja immer sehr gute Entscheidungen und eine Entscheidung war es dann, als er gesehen hat dass Gott Abels Opfer auch mehr gefällt, seinen Bruder einfach umzubringen. Und jetzt mal eine Frage an euch. Ist das Neid oder Eifersucht?

Vielleicht erst mal die zweite Geschichte, Saul und David. Auch diese Geschichte ist natürlich weitaus bekannt. Saul ist der regierende König von Israel. ein geachteter Mann, von Gott auserwählt. Bis der Prophet Samuel plötzlich eine Vision bekommt, und Gott ihm sagt, du sollst einen neuen König finden, denn ich habe Saul verworfen. Samuel geht hin und findet David, einen kleinen Hirtenjungen, dem man eigentlich nicht viel zutrauen würde, aber Gott sieht in ihm den nächsten König Israels. Und als Saul dann erfährt, dass nicht mehr er der König von Israel sein soll, sondern David, Und da trifft er auch wieder eine sehr rationale und emotional logische Entscheidung und versucht David umzubringen welcher ja so ganz nebenbei auch noch sein eigener Schwiegersohn und der beste Freund seines Sohnes ist.

Also man sieht, Menschen in der Bibel sind auf jeden Fall nicht wesentlich besser als wir heutzutage, da eine Entscheidung zu treffen, die man genauso fühlt. Aber wieder die Frage: Neid oder Eifersucht? Ich will euch kurz meine Lösung auf diese Frage geben. Ich denke, die Geschichte von Kain und Abel zeigt sehr gut, was Neid anrichten kann. Und die Geschichte von Saul und David zeigt sehr gut, was Eifersucht anrichten kann. Und um das zu erklären, dazu brauche ich kurz eine freiwillige Person. Wer traut sich? Es geht ganz schnell, ihr müsst nichts sagen. Eine Person? Stefan, ich danke dir. Sehr gut. Stefan. Das hier (zeigt ein Kissen).  ist das Objekt der Begierde Das ist etwas, was wir beide gerne in unserem Leben haben wollen. Vielleicht ist das für euch Glück, vielleicht ist es Macht, vielleicht ist es Anerkennung, Geld. Und Neid ist, wenn der Stefan das Objekt der Begierde hat, ich aber nicht und ich möchte es gerne haben und ich versuche alles, um das dem Stefan abzunehmen, um das Objekt selbst zu haben. Und ich bin erst zufrieden, wenn der Stefan es nicht mehr hat, sondern ich es habe. Das ist Neid. Und Eifersucht wiederum ist, wenn ich das Kissen habe und der Stefan versucht es mir abzunehmen. Oder er sieht nur so aus und ich denke, er will es mir abnehmen. Und ich habe Angst, mein Objekt der Begierde zu verlieren. Meine Macht, meine Anerkennung, mein Geld, mein Lebensglück. Vielen Dank Stefan, das war es schon. Das bedeutet, auch wenn Neid und Eifersucht oft dieselben Charakterzüge haben, entstehen sie aus zwei ganz unterschiedlichen Dingen.

Neid bedeutet, jemand anderes hat etwas, das ich nicht habe, aber ich hätte es gern.

Eifersucht bedeutet, ich habe etwas, habe aber Verlustangst. Ob die berechtigt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist egal, ob Stefan mir das Kissen versucht abzunehmen oder ob er nur da steht und guckt und ich denke, er möchte mir das Kissen abnehmen. Aber ich habe Angst, das, was ich habe, zu verlieren.

Ich glaube, es ist erst mal wichtig zu verstehen, was Neid und Eifersucht sind, um sich dem Thema unserer Predigtreihe Heilwerden anzunähern. Denn wenn wir verstehen, woher Neid und Eifersucht kommen, welche Wunden sie in unserem Leben anrichten, erst dann können wir anfangen, diese böse Wurzel auszureißen und anzugehen.

Wir haben also schon mal festgestellt, Neid, das kommt durch Vergleich und einfach so durch Verlustangst. Aber ich würde gerne noch ein ganz kleines bisschen tiefer mit euch eintauchen, um zu sehen, wie Neid wirkt und wie er uns von innen kaputt macht. Wir fangen mit Neid erst mal an. Und um das besser zu verstehen, habe ich euch noch eine Lebensgeschichte mitgebracht. Ich werde die auch nur kurz anreißen. Und zwar ist es die Geschichte von Josef und seinem Bruder. Jakob, einer der Stammesväter Israels, hatte zwölf Söhne. Und der jüngste dieser Söhne war Josef. Diese zwölf Söhne sollten später die 12 Stämme Israels gründen. Aber es gab ein kleines Problem.

Wie das so ist in der Kindheit, ich weiß, Eltern wollen sich immer davon los sagen. aber ich glaube, alle Eltern hier müssen zugeben, dass sie doch irgendwo vielleicht ein Kind, ein ganz kleines bisschen weniger nervig als die anderen finden, vielleicht ein ganz kleines bisschen mehr mögen. Und bei Josef war das genauso. Die Bibel erzählt uns, doch Israel, also Jakob, hatte Josef lieber als alle anderen Söhne, weil er eben erst im Alter geboren war. Und deshalb ließ er ihm ein prächtiges Gewand machen. In anderen Übersetzungen steht dort ein Rock oder ein Mantel. Das heißt aber, Josef war der Sohn, den Jackob noch am liebsten hatte. Und er schenkte ihm diesen bunten Mantel als Zeichen, dass er ihn so sehr liebte. Was machen die Brüder? Anstatt sich darüber zu freuen, dass ihr Bruder diesen Mantel bekommen hat, reagieren seine Brüder so: Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als sie alle, da hassten sie ihn. Sie konnten kein freundliches Wort mehr zu ihm sagen. Und das ist der erste Punkt, denn es ist eine Charaktereigenschaft von Neid.

Neid entsteht oft nicht aus sich selbst heraus. Ich gehe nicht einfach raus und sage, oh, ich möchte jetzt neidisch werden. Die Brüder sind neidisch auf Josef, weil er etwas hat, was sie nicht haben. Einen schönen bunten Mantel. Aber noch viel wichtiger, Josef hat etwas, was sie denken, dass sie nicht haben und zwar die Zuneigung von ihrem Vater. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Jakob seine anderen Söhne auch lieb hatte. Die Bibel erzählt nicht viel dazu. Aber wir können später sehen, dass er seine Söhne auch liebt denn als die Brüder nach Ägypten gehen müssen wegen einer Hungernot und sie einen, ihren anderen jüngsten Bruder, da lassen müssen, trauert der Vater so sehr, diesen Bruder verloren zu haben. Also können wir daraus schließen dass Jakob die anderen Söhne auch liebte, vielleicht ein kleines Stück mehr.  Aber ob das für die Brüder noch eine Rolle gespielt hat, auch das erfahren wir nicht. Aber in dem Moment, in dem sie den bunten Mantel sehen, und in dem sie das Gefühl bekommen, unser Vater liebt uns nicht genug, in diesem Moment fängt der Neid an, sich auszubreiten. Meistens entsteht er auch nicht aus sich selbst. Er entsteht dann, wenn wir hinsehen auf das, was wir nicht zu haben meinen. Denn wenn wir das sehen, wenn uns ein Missstand auffällt, können wir uns ungerecht behandelt fühlen. Wie in dem Theaterstück.

In unserem Theaterstück hat  Theresa am Anfang gesagt, es geht mir gut. Ich habe eine Wohnung, ich habe einen Job, ich kann zufrieden sein mit meinem Leben. Aber in dem Moment, in dem Marie und Hannah kommen und von dem erzählen was sie haben und Theresa vor ihrem inneren Auge diesen bunten Mantel sieht, In dem Moment verliert das alles an Bedeutung. Und vielleicht sitzt du heute Morgen auch hier so. Und es geht dir auch oft in deinem Leben so. Es ist egal, wie gut es dir geht. Es ist egal, wie viel du hast. Wenn du siehst, was andere haben, und das andere ein Objekt der Begierde haben, andere Glück, dann ist dein erster Gedanke nicht, ach wie schön für dich, sondern „warum du und nicht ich?“ Und das ist der Moment, in dem der Neid beginnt einzudringen in unser Herz.  Es ist spannend zu beobachten, wie sich Neid verhält, wenn wir diese Tür erst mal aufgemacht haben in unserem Herz. Denn oftmals bleibt es nicht dabei. Wir sehen das auch bei den Brüdern von Josef.

Ich habe anhand dieser Geschichte mal drei Charakteristiken herausgearbeitet, die Neid für mich ausmachen. Das erste ist,

  1. Neid ist ein Türöffner für andere Emotionen.

Ich habe mal eine spannende Geschichte gehört, die ich heute Morgen mit euch teilen möchte. Und zwar geht ein Mann an einem Haus vorbei und sieht, das Haus ist sehr schön. Also geht er zum Besitzer des Hauses und fragt, hey du, was muss ich dir eigentlich geben, um dieses Haus von dir zu kaufen? Der Besitzer sagt, gar nichts, denn du kannst dieses Haus nicht von mir kaufen. Das bedeutet mir so viel, das ist mir so wichtig, ich möchte auf dieses Haus aufpassen. also fragt er immer wieder was ist denn wenn ich eine Wohnung von dir kaufe. Der Besitzer sagt wieder: „Nein ich hänge zu sehr an meinem Haus.“ „Aber dann verkaufe mir doch wenigstens ein Zimmer im Haus, nur ein Zimmer.“ „Nein“,  sagt der Besitzer. Also macht der Mann sein letztes Angebot und sagt: „Gut dann verkaufe mir einen Nagel in deinem Haus, ich gebe  dir 100 Euro dafür. Jackpot 100 Euro für einen Nagel. Also verkauft er dem Mann einen Nagel und sobald der Nagel da ist geht der Mann in das Haus und hängt an diesen Nagel in einem Zimmer hängt einen Sack rohes Fleisch.

Ich weiß nicht, ob ihr schon mal in eurem Haus rohes Fleisch aufgehangen habt, aber dieses Fleisch fängt irgendwann an, faul zu werden, zu stinken. Und der Gestank breitet sich im ganzen Haus aus. Da kommt der Besitzer zum Mann und sagt, damals wollte ich dir mein Haus nicht geben, aber heute bettel ich dich an, mein Haus von mir zu nehmen. Bitte nimm es, am besten auch kostenlos, Hauptsache du hängst diesen Sack stinkendes Fleisch von meiner Wand ab.

Genau so funktioniert Neid. Alles was es brauchte, um in dieses Haus zu gelangen und dieses Haus vom Besitzer abzukaufen, ist ein einziger kleiner Nagel. Und Neid hämmert auch einen Nagel in unser Herz. Und an diesem Nagel hängen sich dann andere, stinkende Säcke mit rohem Fleisch auf. Es hört nicht bei Neid auf, auch bei Josefs Brüdern nicht. Es kommt Wut, es kommt Hass, es kommen Lügen, es kommt Verrat. All das angefangen beim Neid. Weil sie eine Tür aufgemacht haben für schlechte Emotionen.

Sie fangen an, ihren Bruder zu verabscheuen, verkaufen ihn an Sklaventreiber, nur weil sie neidisch waren. Neid ist ein Türöffner für schlechte Emotionen. Der zweite Punkt ist:

2. Neid verändert, wie wir die Welt sehen.

Wir haben schon festgestellt, dass Neid die Art verändert, wie wir uns sehen. Das Spannende an Neid ist nämlich, Neid kann uns nichts nehmen, was wir schon haben. Aber es kann uns die Sicht vernebeln und unseren Blick auf die Dinge lenken, die wir nicht haben. Aber Neid verändert die Art, wie wir unser Umfeld sehen. Und besonders, wie wir die Menschen sehen, auf die wir neidisch sind. Nach der Geschichte mit dem bunten Mantel hat Josef noch zwei prophetische Träume. Und in diesen Träumen zeigt Gott ihm die Zukunft, eine Zukunft, in der seine Brüder sich vor ihm verbeugen. Und das kratzt natürlich sehr an ihrem Stolz. Und als Jakob dann das nächste Mal Josef zu seinen Brüdern schickt, dann grüßen sie ihn nicht mit „hey, unser Bruder kommt“,  sondern sie sagen, seht da kommt der Meister der Träume. Joseph ist plötzlich nicht mehr ihr Bruder, er ist nicht mehr ein Freund, ein Bekannter, er ist der Meister der Träume. Er ist nur noch ein Symbol für ihren Hass. Und genauso kann uns das auch passieren.

Es geht total schnell, dass wir durch Neid Menschen anders sehen. Dass wir durch diesen Neid den Hass, den wir eigentlich darauf haben, dass wir etwas nicht haben, dann übertragen auf die andere Person. Dann ist plötzlich nicht mehr unser Freund unser Freund, sondern er ist nur noch der, der mehr Glück hat als wir. Und unser Familienmitglied ist kein Familienmitglied mehr, sondern nur noch ein Symbol unseres Unzufrieden seins. Neid entfremdet uns davon Menschen als das zu sehen was sie eigentlich sind.

3. Neid beraubt uns Freiheit und Berufung.

Das ist sehr spannend weil, wenn wir auf die Brüder von Josef schauen, dann sehen wir, dass sie unheimlich fixiert auf ihn sind. Alles, was sie sagen, alles, was sie tun, dreht sich nur noch um Josef. Es gibt Josefs Träume, es gibt seine besondere Stellung und seinen Mantel. Aber was dabei völlig untergeht, ist ihre eigene Geschichte. Wir müssen uns das nochmal in den Kopf rufen, dass diese zwölf Brüder, die Stammesväter Israel sind. Sie begründen die zwölf Stämme Israels. Das heißt, sie haben einen festen Plan, sie haben einen festen Platz in Gottes Zukunft. Sie waren Teil von seiner Verheißung. Aber  Neid lässt sie all das vergessen. Sie sehen nicht mehr, was Gott ihnen gegeben hat oder mit ihnen vorhat. Sondern sie sehen nur noch, was Gott einem anderen gegeben hat. Und im Grunde stellt Neid genau immer diese Frage. Neid zieht sich wirklich wie ein roter Faden durch die Bibel. Wir könnten am Anfang bei Genesis, bei der Schöpfungsgeschichte anfangen, bei der Schlange. Und wir könnten bei Jesus aufhören. Und bei den Menschen in seinem Umfeld die ihm nicht gut besonnen waren. Die Frage ist immer, meint es Gott wirklich gut mit dir? Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum essen dürft hier in diesem Garten? Meint er es wirklich gut mit euch? Würde er euch dann nicht alles erlauben? Und für Josefs Bruder ist die Antwort auf die Frage, meint es Gott wirklich gut mit euch? Nein. Sie glauben nicht mehr, dass Gott es gut mit ihnen meint. Und deshalb nehmen sie Dinge in die eigene Hand. Sie unternehmen selbst alles, um Geschichte umzuschreiben und zu kontrollieren. Josefs Zukunft beenden, ihre Zukunft zu retten. Aber je mehr sie kämpfen und je mehr sie handeln, desto mehr verstricken sie sich immer und immer mehr in ihre Schuld. Und so raubt ihm Neid am Ende nicht nur ihre Berufung, sondern auch noch ihre Freiheit.

Neid bindet uns. Er bindet uns an andere Menschen. Er bindet uns an ihren Erfolg an ihre Anerkennung  oder vielleicht besser gesagt an den Niedergang dieser Dinge. Wir können erst glücklich sein wenn ich auch ein Kissen habe Es gibt hier zwei Kissen. Es gibt Glück für zwei Menschen. Aber ich bin erst glücklich, nicht wenn ich es habe, sondern wenn ich mehr habe als Stefan. Oder am besten, er gar nichts hat und nur ich es habe. So beteiligt zum Beziehungskiller sondern auch zum Berufungskiller. Er raubt uns die Freude genau an dem Platz zu sein wo Gott uns im Leben haben möchten. Und das sind drei Gradmesser für Neid. Es sind Türöffner für andere Emotionen. Denn Neid verändert wie wir die Welt sehen und Neid raubt uns Freiheit und Berufung. Das sind alles Dinge die positiv sein könnten wenn man sie so hört, aber diese drei Dinge sind alle in deine negative Richtung. Neid verändert unser Leben in eine negative Richtung.

Die Bibel findet dafür sehr harte Worte.

Neid ist praktisch wie so ein Tumor der sich in uns ausbreitet und unseren Körper langsam von innen zerfrisst. Es geht natürlich nicht um die Knochen es geht nicht um unseren Körper sondern Neid zerfrisst unsere Seele oder Geist und später schreibt Jakobus sogar (Jakobus 3,16):

“Wo nämlich Neid und und Egoismus herrschen, da gibt es Unfrieden und jeder Art von Gemeinheit.“ 

Was er uns sagt ist, wenn Neid in unser Herz kommt und dort Einzug gefunden hat, wenn es sich dort Platz verschafft, dann ist dort auch genug Platz für jede andere schlechte Emotion und jedes andere schlechte Gefühl. Das ist der Nagel, der in unser Herz geht.

Bevor wir jetzt zum heil-werden- Teil unserer Predigt kommen, müssen wir noch über das andere große Thema sprechen: Eifersucht.  Vielleicht gibt es hier einige die diese Bibelstellen eben nachgeschlagen haben und denen wird auch gefallen sein dass dort je nach Übersetzung  nicht Neid steht sondern ein Eifersucht.  Das spannende mit Neid und Eifersucht ist, dass sie sich sehr, sehr ähnlich sind. Man könnte sagen, es sind zwei Kinder von einer Mutter und zwar der Angst, zu wenig zu haben. Aber als die Bibel verfasst wurde, im Vorderen Orient, da kannte man diese Aufschlüsse noch nicht. Deswegen gibt es dafür ein Wort. Im Neuen Testament ist das Selos. Viele Bibelübersetzer haben sich deshalb für Eifersucht entschieden, auch wenn das bestehende Konzept manchmal eher zu Neid passt. Das wechselt so ein bisschen durch. Das heißt, wenn ihr mal die Bibelstellen zu Neid und Eifersucht lest, versucht mal darauf zu achten, was ihr dazu besser passen würde. Das Spannende ist aber, dass viele Geschichten beides enthalten. Wir haben die Geschichte von Josef und seinen Brüdern gesehen. Und auch dort gibt es beide Arten. Es gibt Neid und es gibt Eifersucht. Brüder sind nicht nur neidisch auf Jakobs Liebe zu Josef, sondern sie sind eifersüchtig, weil sie Angst haben, die Gunst ihres Vaters zu verlieren. Und doch funktioniert Eifersucht ein bisschen anders und hat deswegen auch seinen eigenen Abschnitt verdient.

Bevor wir über negative Eifersucht sprechen, müssen wir über positiven Eifer sprechen. Eifersucht klingt immer schlecht, einerseits weil  eifern, das Wort ist uns heute vielleicht gar nicht mehr so geläufig, wir sagen es gar nicht mehr so, aber Sucht ist uns geläufig und Sucht ist immer schlecht. Aber das Spannende ist, dass Gott in der Bibel auch als eifersüchtig beschrieben wird. Aber aus ganz anderen Motiven als bei uns Menschen. Es mag komisch klingen, aber Gott eifert auch um unsere Liebe. Und etwas zu eifern, das bedeutet viel aufzuwenden für etwas. Aber um etwas zu eifern muss nicht unbedingt schlecht sein. Gott eifert um unsere Liebe. Aber nicht, weil er das Beste für sich möchte, sondern weil er das Beste für uns möchte. Er eifert um uns. Er eifert nicht um unsere Anerkennung, unsere Aufmerksamkeit, dass wir ihn bestätigen. Gott braucht keine Bestätigung. Aber er eifert um unsere Liebe, weil er uns liebt. Weil er möchte, dass es uns gut geht. Er sucht mit Eifer nach unserem Besten.

Das Problem ist, menschliche Eifersucht funktioniert auch vollkommen anders. Wir sind eifersüchtig weil wir Angst haben etwas zu verlieren nicht weil wir das Beste für unser Gegenüber wollen. Und zur besseren Verdeutlichung müssen wir zurück zu Saul und David. Saul hat alles zusammen Saul ist König. Er hat Macht, er hat Ansehen und eine Positionen die Gott ihm  gegeben hat. David ist jung, charismatisch, gut aussehend von Gott auserwählter König. Und dann gibt es diese spannende Szene am Hof von Saul. Das israelische Heer kehrt gerade zurück von einem Sieg über die Philister. Einem Sieg, den ganz nebenbei David errungen hat. Und da kommen viele Frauen aus ganz Israel an den Hof. Und sie singen und tanzen. Und was singen sie? Sie singen, Saul hat tausend Mann erschlagen, David, aber zehnmal tausend. Das muss echt weh getan haben. Du bist rechtmäßiger König und hast die Anerkennung deines Volkes. Und sie sehen Gutes, aber plötzlich kommt jemand um die Ecke. Es wird eine Schlacht und plötzlich fällt ein Wolkenschloss in sich zusammen. Und diese Erfahrung verändert was in Sauls Kopf. An anderer Stelle steht:

„Saul sah neidisch auf David von jedem Tag und hinfort.“ (1. Samuel,18,9)

In diesem Moment passiert etwas Entscheidendes. Saul sieht David nicht mehr als seinen Schwiegersohn an oder als den besten Freund seines Sohnes, sondern als Bedrohung. Wir erinnern uns an die drei Merkmale vom Leib. Die treffen ja auch zu. All diese Merkmale treffen auf Eifersucht zu. Auch Eifersucht verändert, wie wir Leute sehen. Und anstatt den rechtmäßig von Gott auserwählten König zu sehen in David, sieht Saul in ihm nur eine Bedrohung. Und alles verändert sich. Aus Beziehung wird Kampf, aus Vertrauen wird Kontrolle. Und wenig später versucht Saul dann, David mit einem Speer umzubringen. Zweimal. Ein verzweifelter Versuch, sich an das zu klammern, was er nicht verlieren möchte.

Meine Mutter ist sehr weise und sie hat mal zu mir gesagt, „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifersucht das Leiden schafft“ und sie hat Recht.. Ich würde da in großen Teilen abstimmen. Denn was wir bei Eifersucht sehen, ist auch tragisch. Menschen klammern sich aus Eifersucht an Dinge in ihrem Leben. Aber durch dieses Klammern stoßen sie diese Dinge nur von sich weg. Besonders tragisch ist das in Beziehungen. Wenn Eifersucht Vertrauen in Kontrolle verwandelt. und man am Ende genau das verliert, was man so gut versucht hat zu beschützen. Saul stirbt. David wird rechtmäßiger König. Saul hat nichts erwirkt. Aber das Problem ist, wenn man diese Geschichte liest, dann könnte man denken, die Eifersucht war doch berechtigt, oder? Saul hatte Angst, dass er die Gunst Gottes verliert und seinen Titel. Und er hat es am Ende verloren. Wir fühlen uns auch manchmal in unserer Eifersucht bestätigt. Wir sind eifersüchtig auf andere Menschen. Und vielleicht hast du schon mal erlebt, dass die Dinge, vor denen du Angst hattest, dann genauso in Erfüllung gekommen sind. Und du hast dir gedacht ja ich hatte recht Gut dass ich eifersüchtig war.  Aber das ist kein Beweis dafür dass die Eifersucht gerechtfertigt war, denn es war die Reaktion Sauls, die ihn noch mehr ins Abseits gestellt hat. Vielleicht hätte Saul einen würdigeren Abtritt gehabt. Vielleicht hätte er länger regieren können. Vielleicht hätte er unter der Herrschaft Davids ein gutes Leben haben können, friedlich abdanken. Aber die Eifersucht sorgt dafür, dass er das, was er nicht verlieren möchte, nur schneller verliert. Und viel schlimmer. Eifersucht ist wie an etwas festzuhalten was man eigentlich nur behalten kann, wenn man es loslässt. Und das müssen wir in unserem Leben erkennen.

 

Vielleicht erkennst du dich da wieder. In der Beziehung, in der Freundschaft, in deiner Familie. Und du hast Angst, etwas zu verlieren. große Angst. Und ich verstehe das, wirklich. Aber wenn die Eifersucht dir zuflüstert, pass auf, sonst nimmt dir jemand das weg. Du musst es schützen, du musst dafür kämpfen. Dann kann ich dir sagen, Eifersucht bringt keinen Frieden. Eifersucht produziert Druck und Misstrauen. Und am Ende ist Eifersucht nur ein schnellerer Weg zur Einsamkeit.

Jetzt heißt unsere Predigtreihe „Heilwerden“. Deswegen haben wir uns nur angeschaut, was Neid und Eifersucht sind. Wie sie wirken, wie sie entstehen. Und vielleicht habt ihr euch auch bei mehreren Punkten wiedergefunden. Das ist gut. Daniel hat in seiner Predigt vor zwei Wochen über das Leben zwischen den Bäumen geredet. Also zwischen dem Zeitraum, zwischen dem Ursprungszustand und dem Endzustand, wenn Jesus wiederkehren will. So wie Gott es sich eigentlich vorgestellt hat. Da gibt es keinen Neid und keine Eifersucht. Aber wir leben nun mal in einer Welt zwischen den beiden Bäumen. Zwischen den Bäumen des Lebens. In einer Welt, in der Zerbruch herrscht und in der es Neid und Eifersucht gibt. Und deshalb kann die Frage nicht sein, wie werde ich diese Gefühle los, sondern was mache ich mit ihnen? Diese Stimme, dieser David, der hier auf der Bühne stand (im Theaterstück), der will nicht einfach weggehen. Der Feind ist mitten unter uns und er kreist um uns wie um eine Herde Schafe. Deshalb muss die Frage sein, was mache ich mit diesen Gefühlen?

Es ist in Ordnung, diese Gefühle zu empfinden. Gott lädt uns dazu ein, diese Gefühle nicht zu verdrängen. Ganz im Gegenteil, er lädt uns dazu ein, sie in sein Licht zu bringen. damit sie nicht mehr in der Dunkelheit sind. Dort, wo sie schlummern und sich verbreiten, wie ein Tumor. Jesus sagt: kommt alle zu mir, die ihr geplagt und mit Lasten bestärkt seid. Bei mir erholt ihr euch. Oder in anderen Übersetzungen: bei mir findet ihr Ruhe, bei mir findet ihr Frieden.

Der erste Schritt zu dieser Heilung und der Ruhe, die Gott uns anbietet, ist Ehrlichkeit. Ehrlichkeit vor dir, Ehrlichkeit vor anderen. Aber besonders auch Ehrlichkeit vor Gott. Wo fühlst du dich manchmal minderwertig? Wo hast du Angst, Menschen zu verlieren? Und wo fühlst du dich so, als hätte Gott dich vernachlässigt? Und wenn du die Antwort auf diese Fragen kennst, und die Situation kennst, in der es auftritt, dann kann die nächste Frage sein, warum? Warum fühle ich mich so? Warum fühle ich mich vernachlässigt? Auf Spuren suche sich gegeben. Vielleicht hast du in deiner Kindheit Erfahrung gemacht. Vielleicht hast du dich so gefühlt, als müsstest du dir Liebe verdienen. Und deswegen bist du eifersüchtig. Weil du Angst hast, du würdest nicht genug tun, um dir die Liebe anderer Menschen zu verdienen.

Das ging mir eine lange Zeit meines Lebens so. Ich war unglaublich eifersüchtig und neidisch. Weil ich Angst hatte, Anerkennung und Liebe zu verlieren. Weil ich immer dachte, dass es etwas ist, was ich mir verdienen muss. Und wenn ich sie verloren habe, dann ist die Arbeit noch viel größer, mir das wieder zurückzuholen. Wenn du genau so fühlst, dann ist es wichtig, dass du einen Ort findest, an dem du eine wichtige Wahrheit erkennen darfst. Du bist der geliebte Mensch. Nicht weil du etwas tust, sondern einfach weil du bist, wer du bist. Und den Menschen, bei denen du nicht performen musst, um deren Liebe du nicht eifern musst. Oder vielleicht denkst du, dass Gott jemand ist, dessen Liebe man sich verdienen muss. Und deshalb bist du neidisch, wenn jemand anderes ein besseres Glaubensleben hat als du. Dann lade ich dich dazu ein Gott vollkommen neu kennenzulernen. Denn Gott ist jemand, der liebt. Der dich sieht. Der dich bedingungslos liebt. Aber nicht jeder Neid und jede Eifersucht es gleich. Es kann unterschiedliche Gründe und unterschiedliche Ursachen haben. Aber was fast noch wichtiger ist, als die Ursachenforschung und herauszufinden wo ist die Wurzel dieser Gefühle, wo hat es angefangen, ist es, Lügen zu ersetzen.

Wir müssen, um diese Wurzel anzugehen, Stück für Stück erkennen, was Gott uns eigentlich in unserem Leben zuspricht. Von „Ich habe nicht genug“ hin zu: ich habe mein täglich Brot. Das ist das, worum wir Gott jeden Sonntag bitten: „Unser tägliches Brot gibt uns heute“. Aber dann sind wir doch immer unzufrieden, wenn wir es haben und wenn wir genau genug haben um durch den Tag zu kommen. Von: „Ich bin nicht geliebt“ hin zu: „Ich bin der geliebte Mensch“. Von: „Gott ist nicht gut zu mir“ hin zu: „Gott hat gute Pläne für mein Leben“. Und es hilft Gott im Gebet zu begegnen,  in der Bibel zu lesen. und bewusst nach diesen Dingen Ausschau zu halten und nicht bewusst nach den Dingen, die schlecht sind. So können wir Stück für Stück das Lügenflecht, das Neid in unserem Kopf entwickelt hat aufdröseln.

Noch ein kurzer Gedanke, bevor ich zum Ende komme. Ich habe mal eine spannende Geschichte gehört. Und zwar meinte jemand, Glück, das ist: haben geteilt durch wollen. Wir gehen mal davon aus, dass ultimatives Glück, ultimative Zufriedenheit im Leben bei 100% erreicht ist. Das heißt, wenn ich 100 habe und 100 will, komme ich bei 100 raus. Aber das, was Nein mit uns macht, ist nicht unser Haben zu verändern. Neid kann uns nichts nehmen. Aber das, was Neid mit uns macht, ist, unser Wollen zu verändern. Deswegen können auch die reichsten Menschen dieser Welt nie glücklich sein. Weil ihr Wollen ins Unermessliche getrieben wird. Sie werden immer mehr wollen, als sie haben. Das Geheimnis zum Glück ist also nicht, unser Haben zu vergrößern. Sondern gegen den Neid anzukämpfen und unser Wollen unserem Haben anzupassen. Denn das nimmt Neid die Kraft.

 

Dankbarkeit.

Der Schlüssel zu großem Glück und innerer Zufriedenheit ist nicht alles: zu haben, was man will, sondern alles zu wollen, was man hat. Und vielleicht ist der erste Schritt, den du heute dahin machen kannst, ein kleiner. Ein Vergleich weniger, ein dankbarer Gedanke mehr oder ein ganz kleiner Schritt Richtung Vertrauen. Anstatt nach Richtung Misstrauen. Ich gebe dir jetzt die Einladung, das kurz vor Gott zu legen, in einem kurzen Moment der Stille. Und dann wollen wir gemeinsam all das, was wir mit Neid und Eifer so verbinden, und wo wir Probleme damit in unserem Leben haben, in das Gebet legen, das Gott uns gelehrt hat. Also in einem kurzen Moment der Stille, und dann werden wir gemeinsam das „Vaterunser“ beten.

 

Siehe auch: Wer ist Jesus?
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